Lieber Rega, ganz so einfach ist es eben nicht, denn das die antiken Kulte / Religionen sich in ganz vielen Bereichen sehr ähnlich waren ist ein historischer Fakt. Dass es Kultangleichungen im Zuge des Hellenismus gab, die ganz besonders auf den ägyptischen Kult / Kultreform zutrafen ist hinlänglich bekannt. Spätestens seit Aurelian wurde diese Kultverschmelzung und Angleichung – Initiierung des Sol Invictuskultes und der Trias, der fast alle Gottessohn-, Gottvaterkulte und auch Mutterkulte umfasste im Wesentlichen abgeschlossen (Kulteinigung). In diese Epoche fallen auch die systematischen Umgestaltungen der „Figur“ Jesu und deren theologische Angleichung, welche nicht vor dem 5. Jahrhundert abgeschlossen war. Also ein durchaus langwieriger und schleichender Prozess, der jedoch relativ gut nachvollziehbar ist.

Das die Horusgestallt, insbesondere durch seine neuere hellenistisch ausgeschmückte Leidensgeschichte und dessen dadurch gewirkte Erlösungstat sehr wohl und hier besonders im alexandrienschen Christentum eine wesentliche Rolle spielte und noch heute in der koptischen Theologie überaus präsent ist (siehe auch Gnostizismus), ist ein belegbarer Fakt. Und welchen überragenden Einfluss die alexandriensche Kirche, die ja bekanntlich vom 1. bis ins frühe 3. Jahrhundert die Größte und Einflussreichste war (Beleg dafür ist nicht nur das Johannesschriftgut, sondern auch die schriftstellerische Hinterlassenschaft – apokryphe Literatur, bis hin zu großen Schulen der Philosophie, Theologie und auch dem Gnostizismus, Arianismus, etc, etc), kann man sehr leicht den Kirchenvätern entnehmen.

Man darf sagen, die Grenzen verschwimmen hier und sind fliesend. Ich persönlich meine, dass auf die „Figur“ Jesu jedoch wesentlich bedeutender der Sol Invictuskult - und hier explizit der Mithras-, Dionysios-, und Attiskult wirkte, welche besonders prägend für den Sol Invictuskult waren. Die Affinitäten sind einfach zu deutlich und die theologischen Ausrichtungen sind so vielfältig, dass man kaum von Zufall sprechen kann. Das dies selbst den Kirchenvätern mehrfach aufgefallen ist, ist von diesen selbst belegt und als legitim dargestellt worden. Wir sprechen also von ganz bewusst herbeigeführten Ergebnissen. Und das Ziel wird dafür auch klar benannt, man wollte Weltreligion werden, was folglich auch geschah.

Übrigens, schon Porphyrios Malchos hatte im 3. Jahrhundert sehr klar und deutlich genau deshalb das Christentum massiv angegriffen. Die Entwurzelung Jesu aus seiner jüdischen Religion und Kultur und dessen Angleichung an den Sol Invictuskult empfand er als Fälschung der gängigen Kulte um sich über diese Macht zu verschaffen, eine Vorausschau, die geradezu in prophetische Erfüllung gehen sollte.

Wie dem auch sei, es ist für mich persönlich kein Problem dem Christentum offen und frei zu begegnen und es ist letztlich für mich nicht entscheidend aus welchen Wurzeln diese Religion ihr Dasein schöpft. Es ist eine legitime Religion. Doch man sollte eben auch zu seinen Wurzeln stehen können und genau hier sehe ich eben bei allen Religionen großen Klärungsbedarf und zugleich auch ein ehrliches Eingeständnis, dass eine jede Religion ein Kind ihrer Zeit, Umwelt, Kultur und Politik ist. Ich weiß natürlich auch, theologisch sieht ein Jeder seine Religion auf Gott begründet, da sind sich wohl alle Religionen so ziemlich gleich. Doch es ist nun einmal so, dass aus der historischen – wissenschaftlichen Sicht z.B. kein Judentum ohne Ägypten, Kanaan und Babylon denkbar wäre, das Christentum ohne Judentum und Hellenismus nicht existent wäre und der Islam ohne Judentum, Christentum und diverse arabische und persische Kulte nicht existent wäre.
Eventuell gefällt es Gott den Menschen eine „Spielwiese“ verschiedenster „Offenbarungsreligionen“ anzubieten, um jeglichen religiösen Interessenslagen nahe zu kommen, wer weiß? Das ändert allerdings nichts daran, dass es bisher immer Menschen waren, die Religionen erschufen und es ändert auch nichts daran, dass es von allen Religionen auch immer schon Vorstufen / Vorläufer gab. Oder um mit Kohelet zu sprechen: „Es gibt nichts neues unter der Sonne, auch wenn man es manchmal meinen möchte…“.
Religionshistorisch gesehen dreht sich die Menschheit nun schon seit Jahrtausenden im Kreis.

Absalom