Teil 2

1.Punkt
NON POSSUM MILITRA CHRISTIANUS SUM!

Dies war der Leitsatz bis zur Synode von Arles. Ich kann kein Soldat sein, ich bin Christ!
Mit diesem Leitsatz möchte ich nun zu dem angekündigten ersten Themenkomplex kommen, der Militärdienst und das Christentum.
Seit den Tagen Jesu war für die Urgemeinde und die spätere Christenheit jeglicher Kriegsdienst, Polizeidienst, Richterdienst und anderen ähnlich gearteten Bereichen verboten. Siehe dazu: Matth. 5/5-19, 5/21-26, 5/38-48, etc.. Auch für Paulus war dies verbindlich wie er deutlich in Eph. 6/13-17 (im Gegensatz zu den römischen Soldaten) aufzeigt. Dieser biblischen Wahrheit folgend, haben manche Kirchenväter um der Einhaltung dieser Worte Jesu ihr Leben gelassen und bis zur Synode von Arles darum gekämpft. Einige schriftliche Zeugnisse davon seien nachfolgend hier angeführt, um zu verstehen, was in Arles wirklich geschah, aber auch, um zu verstehen, was noch - nämlich nur wenige Jahre später, auf dem Konzil in Nicäa folgen sollte.
Ich habe die Aussagen in Abschnitte (A und B) untereinander gestellt, um die Deutlichkeit des Sinneswandels der frühen Kirche hervorzuheben.
A: Aussagen vor der Synode von Arles
B: Aussagen nach der Synode von Arles

A: Obwohl wir uns so gut auf Krieg, Mord und alles Böse verstanden hatten, haben wir alle auf der weiten Erde unsere Kriegswaffen umgetauscht, die Schwerter in Pflugscharen, die Lanzen in Ackergerät (Mi. 4/3) und züchten Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Menschenfreundlichkeit, Glaube und Hoffnung, welche vom Vater selbst durch den gekreuzigten gegeben ist. (Justin, Tryphon 110)

A: Herrschen will ich nicht, militärisch Würden lehne ich ab, Hurerei ist mir verhasst, nicht begehre ich mit unersättlicher Gier, in ferne Länder zu segeln, um Siegerkränze kämpfe ich nicht, vom ungesunden Streben nach Ruhm bin ich frei, den Tod verachte ich, über jede Krankheit bin ich erhaben, keine Trauer verzehrt meine Seele. (Tatian; oratio ad graecos, 11)

A: Siehe nur, wie die Straßen von Wegelagerern versperrt, wie die Meere von Seeräubern besetzt und wie Kriege mit dem blutigen Greul des Lagerlebens über alle Länder verbreitet sind. Es trieft die ganze Erde von gegenseitigen Blutvergießen; und begeht der Einzelne einen Mord, so ist es ein Verbrechen; Tapferkeit aber nennt man es, wenn das Morden im Namen des Staates geschieht. (Cyprian von Karthago, ad donatum 6 / 83)


A: Um die Frage im Betreff des Soldatenkranzes in Angriff zu nehmen, so muß man, glaube ich, zuerst untersuchen, ob es sich überhaupt für einen Christen schicke, Soldat zu werden. Denn was hieße es, über Nebendinge zu verhandeln, wenn die Grundlage nicht in Ordnung ist? Halten wir es für erlaubt, einen menschlichen Fahneneid auf die göttliche Taufe zu setzen, uns noch einem anderen Herren nach Christus zuzugeloben. Und von Vater und Mutter und unserem Nächsten uns loszuschwören, die doch das Gesetz zu ehren und nächst Gott zu lieben vorschreibt (Ex.20/12;Lev.5/16), und welche auch das Evangelium so sehr geehrt hat, sie bloß nicht höherstellend als Christum? (Mt.10/37) Wird es erlaubt sein, mit dem Schwerte zu hantieren, da der Herr des Ausspruch tut, „Wer sich des Schwertes bedient, werde durch das Schwert umkommen“ ? (Mt.26/52). Soll der Sohn des Friedens in der Schlacht mitwirken, er, für den es sich nicht einmal das prozessieren geziemt? Wird er Bande, Kerker, Foltern und Todesstrafen zum Vollzug bringen, er, der nicht einmal die ihm selber zugefügten Beleidigungen rächt? Wird er ferner für andere Situationen halten als für Christus, oder auch am Sonntage, an welchem Tage er sie nicht einmal für Christus hält? Wird er vor den Tempeln Wache stehen, denen er widersagt hat, da speisen, wo es der Apostel nicht gestattet? (1.Kor8/10). Wird er diejenigen, welche er am Tage durch Exorzismen vertreibt, bei Nacht beschützen, gestützt und ruhend auf der Lanze, womit die Seite Christi durchbohrt wurde? Wird er auch die Fahne tragen, diese Nebenbuhlerin Christi, und sich vom Feldherren die Losung geben lassen, da er sie schon von Gott empfangen hat?
Wird er nach seinem Tode von der Trompete der Spielleute aufgeschreckt, er, der darauf wartet, von der Posaune des Engels aufgeweckt zu werden? Wird auch der Christ soldatischem Herkommen gemäß verbrannt werden, er, dem das Verbrennen nicht erlaubt war, und den Christen die verdiente Feuerstrafe nachgelassen hat. Wie viele andere Übertretungen kann man noch in den Verrichtungen des Kriegslebens ausfindig machen, die einem Abfall gleichzustellen sind! Schon dass er aus dem Heerlager des Lichtes zum Heerlager der Finsternis übergeht, ist eine Handlung der Fahnenflucht....
Trotzdem muß man nach Annahme des Glaubens und der Taufe entweder den Kriegsdienst sofort verlassen, wie viele es auch wirklich getan haben, oder, um nichts, was auch durch den Soldatenstand nicht zu etwas Erlaubtem wird, tun zu müssen, alle möglichen Ausflüchte suchen, oder zuletzt für Gott das duldet, was in gleicher Weise der heidnische Glaube zudiktiert (die Todesstrafe). (Tertullian, de corrona 11)

Nun möchte ich den Kirchenfürsten Lactanz anführen, der geradezu als Sinnbild der kirchlichen Wende bezeichnet werden kann.
A: Aber wir, sind wir klüger? Sie achten einen tugendhaften Athleten gering, weil er nicht untergeht: aber als königlich wird von ihnen bewundert, wer ausgiebig zu schaden pflegt.
Sie glauben, daß tapfere und kriegerische Führer in die Gemeinschaft der Götter aufgenommen werden. Es gibt keinen anderen Weg zur Unsterblichkeit, als ein Heer zu führen, Fremdes zu verwüsten, Städte zu zerstören, Ortschaften auszulöschen, um das freie Volk entweder niederzumetzeln oder in die Sklaverei zu zwingen. Es ist offensichtlich: wo viele Menschen niedergeschmettert, ausgeplündert und erschlagen werden, dort halten sie sich für ehrbar und aufrichtig. Gefangen von leerem Ruhm geben sie ihrem Frevel den Namen der Tugend. Ich wollte nämlich, daß sie sich Götter durch das Schlachten wilder Tiere machten, als daß sie so blutbesudelte Unsterblichkeit zu erreichen suchen. Wenn jemand einen Menschen erstochen hat, dann wird dies für eine schuldbeladene frevelhafte Haltung gehalten und sie glauben nicht, daß es richtig ist, daß er Zutritt zur irdischen Wohnstatt der Götter (Tempel) hat. Jener aber, der unendlich viele tausend Menschen hingeschlachtet hat, daß die Füße gefärbt sind, für den sei der Zutritt nicht nur in den Tempel, sondern auch in den Himmel gestattet. Wenn dies die Tugend ist, die uns unsterblich macht, so will ich lieber sterben, als das Verderben für möglichst viele sein. (divinae institutiones 1/ 18/ 8-17)

Wenn Gott das Töten verbietet, so untersagt er uns nicht bloß, Raubüberfällen nachzugehen, was ja auch nach dem bürgerlichen Gesetz nicht erlaubt ist, sondern er warnt auch davor, daß nicht Dinge begangen werden, die bei den Menschen für rechtmäßig gelten. Den Militärdienst in üblicher Weise abzuleisten ist allen Menschen nicht möglich, dessen Dienst in der Ausübung der Gerechtigkeit besteht; ebenso wenig darf man irgendwen eines Verbrechens beschuldigen, das die Todesstrafe nach sich zieht. Denn es macht kein Unterschied, ob man mit dem Wort oder mit dem Schwert tötet, da ja das Faktum des Tötens an sich verboten ist. Das heißt also, daß es von dieser Anordnung Gottes keinerlei Ausnahme gibt. Es ist allzeit verboten, einen Menschen zu töten, weil Gott gewollt hat, daß der Mensch ein unverletzliches Lebewesen sei. (divinae institutiones 6/ 20/ 15-17)

Nun lesen wir was Lactanz nach Arles zu der gleichen Thematik äußert.
B Wie die Tapferkeit im Kampfe für das Vaterland ein Gut, und im Kampfe gegen das Vaterland ein Übel ist, so werden auch diese Triebe bei der Anwendung für gute Zwecke zu Tugenden, bei Missbrauch für schlechte Dinge zu Lastern. (Epitome 56)
Es ist derselbe Mann, der einst glühend für die Worte Jesu stritt und nun für die des Kaisers. Hier wird deutlich was mit der Kirche geschah. Noch klarer und unverblümter zeigt Augustinus (345-430), der als großer theologischer Wegbereiter der Kirche verehrt wird, was sich für menschenverachtende Früchte nach Arles entwickelt haben.
B Wenn du dich also zur Schlacht rüstest, so bedenke vor allem, daß auch deine körperliche Kraft ein Geschenk Gottes ist. So wirst du dich daran erinnern, daß die Gabe Gottes nicht gegen Gott verwendet werden darf. Die versprochene Treue muß ja auch dem Feinde gehalten werden, gegen den man Krieg führt, wie viel mehr dem Freunde, für den man streitet. Der Wille muß den Frieden im Auge haben, der Krieg darf nur die Folge der Notwendigkeit sein; dann wird Gott von der Not uns befreien und im Frieden uns bewahren. Denn man sucht nicht den Frieden, damit Krieg entstehe, sondern man führt Krieg, damit der Friede erreicht werde. Sei also auch im Kriege friedfertig, so daß du durch deinen Sieg den Besiegten den Vorteil des Friedens verschaffst. Denn: selig die Friedfertigen, sagt der Herr, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden (Nt.5/9). Wenn aber schon der Friede unter den Menschen so erfreulich ist wegen des zeitlichen Wohles der Sterblichen, um wie viel erfreulicher ist dann der Friede mit Gott wegen des ewigen Heils bei den Engel.
Ich bin der Überzeugung, daß ein Soldat, der den Feind tötet, wie auch ein Richter und ein Henker, die einen Verbrecher richten, keine Sünde begehen; indem sie so handeln, befolgen sie das Gesetz. Der Soldat, der den Feind tötet, ist schlechthin der Diener des Gesetzes. Es ist ihm daher ein Leichtes, seinen Dienst sachlich auszuüben, um dadurch seine Mitbürger zu schützen und der Gewalt mit Gewalt entgegenzutreten.
Was aber liegt daran, mit welcher Todesart dies Leben endet? Es ist ja, das weiß ich, noch niemand gestorben, der nicht irgendwann einmal hätte sterben müssen. Was hat man denn gegen den Krieg? Etwa daß Menschen, die doch einmal sterben müssen, dabei umkommen?(de librero arbitrio 1/ 5/ 12, etc.).

Mit diesen Worten, die der Meinung der Kirche entspricht wird deutlich, was aus dieser Kirche wurde, aber vor allem, warum das Christentum zu einer solch kriegerischen Religion wurde und dies alles im Namen Jesu.

Mit diesem Siegeszug Konstantins begann nun erst recht die Umformung des Christentums zu einer Religion, die sich von der Urgemeinde, der biblischen Überlieferung und den Wegen Jesu lossagte.

Nicäa - Konstantins Sieg über das Christentum

Nicht zuletzt durch Konstantins Diktat in Arles, war das Christentum in sich gespalten und in Richtungskämpfen verstrickt. Man verstand weder mit der neuen Freiheit umzugehen, noch einen Weg aus dem entstandenen Dilemma von Arles zu finden. Man nutzte lediglich die neue Glaubensfreiheit dazu, um anderen die Freiheit des Glaubens zu nehmen. Die Kirche war gespalten. Konstantin hatte ein weiteres Ziel erreicht, die relativ äußere Einheit der Kirche, die sie über die vielen Verfolgungen rettete, war zerstört. Obwohl dies Konstantin recht war, denn nur einen schwachen Partner kann man beherrschen, so brauchte er doch gleichfalls politische und religiöse Ruhe in seinem Reich, um seine Macht zu festigen. Längst waren viele christliche Gruppen von der römischen Kirche Konstantins abgefallen und wehrten sich gegen ein solches Christentum. Allerdings waren diese in der Minderheit.
Per Erlas ließ er 325 ein Konzil in Nicäa einberufen, zu dem 318 ausgesuchte Bischöfe und Kirchenvertreter eingeladen wurden. Drei Monate lang vor dem eigentlichen Beginn des Konzils, beherbergte und bewirtete er seine Gäste wie Könige, beschenkte sie und spielte ihnen seinen christlichen Glauben vor. Seit Arles wusste Konstantin, dass die Kirche käuflich war und so spielte er das alte Spiel von Macht und Geld. Konstantin stand unter enormen Erfolgsdruck bei diesem Konzil, dass nicht nur die Einheit im Christentum unter seinen Vorstellungen bringen sollte, sondern es gab noch einen anderen Punkt. Die heidnischen Kulte, die sehr mächtig waren, betrachteten zunehmend mit Argwohn, wie das Christentum an Macht und Stärke gewann. Hier drohte es zu unüberschaubaren Konflikten zu kommen, die es abzuwenden galt. Aurelian hatte in seiner Staatsreform des Imperiums erkannt, dass ein Volk unter einem vereinten Reichsgott, mit einer Ideologie und einem gemeinsamen Glauben, leichter zu beherrschen und zu regieren war, als dies gegenteilig der Fall war, wo es im Imperium zu ständigen Bürgerkriegen und Kultstreitigkeiten über die wahren Götter kam, die sogar zu verheerenden Kriegen führten. Sie schwächten nicht nur das Imperium innerlich, sondern die Weltmacht geriet dadurch mehrfach in seiner Geschichte in Gefahr, daran zu zerbrechen.

Der Anfang des Konzils stand unter dem persönlichen Einzug Konstantins und einer Festrede, wo er zu Frieden und Eintracht mahnte. Danach ließ er alle Beschwerde und Streitschriften ungeöffnet vernichten. (damit niemanden der Streit der Priester bekannt würde, wie Eusebius zu berichten wusste). Zwar wurde vereinbart, dass der Kaiser nicht den Vorsitz über dieses Konzil hatte, aber durch diese Handlung war klar, wer das Sagen hatte. Neben anderen Punkten die entschieden wurden, war ein wesentlicher Streitpunkt, ein einheitliches Glaubensbekenntnis für die Christenheit zu finden, dass die Kirche einigen sollte. Anfänglich beschloss man, sich auf ein Glaubensbekenntnis zu einigen, das Eusebius erarbeitet hatte, welches aber im wesentlichen nichtssagend war, und von inhaltlicher Leere glänzte. Da griff Konstantin in die Diskussion ein, überging die Bischöfe und Kirchenvertreter und stellte für alle völlig überraschend seine Glaubensformel in den Raum: Wir glauben an einen Gott, den Allmächtigen Vater, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der geboren ist aus dem Vater als der Eingeborene, d.h. aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, wesenseins mit dem Vater, durch den alles geschaffen ist, was im Himmel und auf Erden ist, der um unser, der Menschen, und um unseres Heiles willen herabkam und Fleisch und Mensch wurde, litt und am dritten Tage auferstand, zum Himmel fuhr und kommen wird, zu richten Lebende und Tote, und an den Heiligen Geist. Unter Androhung härtester Strafen (die auch einige traf, weil sie sich weigerten dies anzunehmen), verlangte Konstantin, sein Glaubensbekenntnis anzunehmen und in der Kirche durchzusetzen (Nic, syn. 33, Euseb. V.C., etc.)

Ende Teil 2