Na, liebe Popcorn, dann kommt jetzt nochwas über koschere Weinherstellung. Ich war nämlich neulich in einer koscheren Weinkellerei zu Besuch...das war interessant. Da kommt dann immer der Shomer (Wächter) (nicht der Jürgen von den Gnakis :wink: ) vom Rabinat und kontrolliert alles und macht ein Rabinats-Siegel auf die Fässer und auf die Flaschen. Das Siegel zeigt die Gesetzestafeln und das Rabinat, also an welchem Ort usw. Alles muss seine Ordnung haben!

Die Trauben werden erst ab dem 4. Jahr geerntet, nicht von jüngeren Rebstöcken.
Es gibt eine Zweimonatsfrist vor der Ernte, während der nicht mehr organisch gedüngt werden darf. Alle Geräte, die zur Ernte oder Verarbeitung der Trauben dienen sollen, werden ebenso wie sowie das Silo unter der Aufsicht von Rabbinern gesäubert.
Enzyme und Bakterien dürfen nicht zugefügt werden. Nur die auf der Schale befindlichen Bakterien bringen die Fermentation in Gang. Gelatine, Kasein sowie Stierblut sind beim Vinifizieren unzulässig. Zur Reinigung ist lediglich Betonit zugelassen. Es dürfen nur Papierfilter verwendet werden.
Flaschen dürfen nicht mehrmals gefüllt werden.
Im 7. Jahr (Schabbatjahr) werden keine Trauben geerntet. Die Rebstöcke sollen sich organisch regenerieren. 1 % der Weinerzeugung wird zugunsten der Armen abgegeben und darf nicht zum Verkauf kommen.
Außerdem müssen alle Arbeitsgänge in Übereinstimmung mit den sonstigen Geboten der Halacha (jüd. Religionsgesetz) ausgeführt werden, z.B. keine Arbeit am Schabbat, im Weinberg dürfen keine anderen Pflanzen stehen (Verbot der Mischkulturen)
Seit 1996 gibt es auch deutschen koscheren Wein „Nagila" und zwar als Rotwein (Rheinhessen, Dornfelder) und als Weißwein (Rivaner) beim Weingut Herbert Schenkel in Schwabenheim
Es ist also nicht ganz so einfach, daß koscherer Wein "normaler" Wein (Stam Jajin) sei, nur daß alle Produktionsgänge von Juden durchgeführt wurden. Bei "normalen" Wein ist es eben durchaus üblich, daß Zusätze verwendet werden können, um z.B. die Gärung zu beschleunigen. Das fällt für koscheren Wein weg. Das Herstellungsverfahren ist also durchaus aufwendiger.


tanuki