Hi, mal wiede einschauen bei Euch! Liebe Grüße an alle!
Da gibts gleich mal wieder ein Stück zu lesen. Ich freu mich inzwischen den nächsten Mittwoch geht es wieder in die USA.


Maiby

16 – Auf zum Camping

Am Montagmorgen wurden die letzten Sachen für die Reise in den Campinganhänger gebracht. Ich hatte keine Chance zu helfen. Meine Reisetasche durfte ich alleine hintragen, mehr war nicht zu tun. Barry über-legte er, ob er an alles gedacht hatte. Damit es uns später an Nichts fehlt. Ich bewunderte seine Gelassen-heit. Es fiel mir schwer, mir Peter in dieser Situation vorzustellen, doch das war auch nicht nötig.
Für den kleinen Chase und für Fiona war es eine lange Nacht. Die Magengrippe war bei ihnen angekommen und sie waren auf der Toilette gefesselt. Beide mussten spucken. Sie hatten eine weiße blasse Hautfarbe. Bewegungslos lagen sie vor dem Fernseher und warteten, was jetzt passiert. Aber für sie sah der Tag nicht rosig aus, egal wo sie waren. Wir starteten trotzdem in den Urlaub. Carrie verabschiedete sich von ihrem kleinen Kranken und auch von ihrem Mann und fuhr zur Arbeit. Ich legte noch ein paar Stücke meines restli-chen Kasslerfleischs zwischen zwei Weizenbrotscheiben. Aus dem großen Kanister Wein füllte ich mir eine kleine Wasserflasche voll. Pünktlich um neun Uhr morgens saßen alle im Truck. Der große Campinganhän-ger war angekoppelt. Ich sagte zu Barry „Gib mir fünf!“ Er schaute mich erstaunt an und dann klatschte er gegen meine Hand. Die große Tour konnte beginnen!
Bei Fiona gingen schon nach ein paar Minuten Fahrzeit die Lichter aus. Chase hatte zu leiden. Ihm war schlecht. Krampfhaft hielt er eine Plastiktüte in der Hand und jeder Schluck, den er aus seiner Wasserfla-sche nahm, kam im hohen Bogen wieder heraus. Er war verzweifelt und wimmerte. Der Vater tröstete ihn so gut er konnte. Vielleicht hätte ich ein deutsches Kind mit meinen weisen Ratschlägen wieder geheilt, aber hier war ich hilflos. Denn ich hatte keine Ahnung, was dem Kleinen gut tut und was nicht. Das, was Barry auf Fälle nicht gebrauchen konnte, war jemanden, der ihm sagt, was er tun sollte. Der perfekte Vater macht das schon alleine. So lehnte ich mich genüsslich in meinem Sitz zurück und genoss diese herrliche Fahrt durch das große Amerika. In South Carolina war das Grün der Bäume besonders kräftig. Der Highway schlängelte sich an der Stadt entlang und man konnte selbst in den Bäumen große Blüten sehen, in den verschiedens-ten Farben und Formen. Zwischen den zwei Fahrbahnseiten gab es große Flächen mit gelben Lilien. Von weitem sahen sie wie unsere Rapsfelder aus.
Einige Male stoppten wir am Rastplatz. Es war praktisch, denn wir konnten immer in unseren Campingan-hänger. Wir holten kühle Getränke aus dem Kühlschrank und nutzten wir die Toilette. Die Kinder hatten kein Interesse an irgendwelchen Nahrungsmitteln. Auch Barry konnte ich nicht mit meinen Sandwichs locken. Ich hatte aber trotzdem Hunger und verzichtete nicht auf meine Mahlzeit. Mit ein bisschen Obst zum Nachtisch, war ich rundherum zufrieden.
Wir rollten wirklich schnell. Einen Staat nach dem anderen durchquerten wir in Richtung Norden. Barry er-zählte mit mir. Wir hörten Country-Musik. Interessiert hörte ich die Texte der Lieder und komischerweise konnte ich eine Menge davon sofort übersetzen. Die Kinder schauten auf einem kleinen tragbaren Fernseher einen Zeichentrickfilm.
Gegen fünfzehn Uhr bog Barry vom Highway ab. Er kannte diese Gegend. Wir erreichten einen tollen Cam-pingplatz. Jede Menge dieser großen Campinganhänger parkten dort, doch zu sehen war kaum ein Mensch.
Barry ging mit seiner Geldbörse in ein kleines Haus, um uns anzumelden. Es war Platz für uns. Wir konnten immer vorwärts fahren. Wir drehten eine Runde und erreichten dann unseren Standplatz. Auf jedem der kleinen Rasenflächen stand ein kleines Holzset mit Tisch und Stühlen. Es war ein Eisenfass im Boden ver-senkt zum Feuer machen. Barry stieg aus dem Auto, hantierte mit Schläuchen und Kabeln. Mit geübten Grif-fen sorgte er für Wasser und Strom. Er wusste genau, was er tun musste. Ein ferngesteuerter Mann. Ich fragte gar nicht erst, ob ich helfen kann. Es war klar, das war sein Job und niemand durfte dort mitmachen.
Ein junges Mädchen begrüße uns freundlich. Sie kannte die Fordfamilie bereits vom letzten Jahr. Unsere Kinder interessierte es nicht. Barry erklärte, dass Andrew nicht mit war. Er war etwa in ihrem Alter. Ich fragte sie sofort, wie es mit dem Baden aussieht. Bereitwillig zeigte sie mir den Fluss Cedar, der sich hinter diesem Berg befand. Sie brachte mich zu einer tiefen Stelle des Flusses. Das Wasser war ruhig. Von der leichten Strömung war kaum etwas zu merken. Die Farbe war grün, aber es war sehr sauber, denn man konnte den Grund erkennen.
Es dauert natürlich nicht lange bis ich meinen Badeanzug, Tauchmaske und Schnorchel in der Hand hatte. Fiona begleitete mich. Der Weg führte auch an einem Pool vorbei. Allerdings war er hinter dem Zaun. Sie fragte mich, ob wir nicht lieber dort baden wollten. Die Antwort war klar. Vielleicht plansche ich noch in einer Beton Badewanne, wenn nebenan ein lebendes Wasser fließt! Wir erreichten den Fluss und Fiona setzte sich auf ihr Handtuch. Neben ihr lagen ein paar weiße Strippen. Es war ein Bikini, den sie wenig später an hatte. Der Einstieg in das Wasser war nicht einfach. Den Absatz zum Flussbett musste ich herunter klettern. Der Boden war voller Steine, so dass ich mich sofort auf dem Bauch legte und schwamm. Ach, war das ein herrliches Gefühl, es war kaltes Wasser, eine schöne Erfrischung. Fiona sah das allerdings anders. Sie steckte kurz ihren Zeh in das Wasser und schon war sie wieder verschwunden. Ich genoss es, alleine zu sein, zu tauchen und mit den Krebsen zu spielen. Sogar einige Fische konnte ich entdecken. Mit Sicherheit war ich eine Stunde im Wasser. Als ich zum Campingwagen zurückkehrte, waren alle Türen geschlossen. Ich holte mir aus dem Truck mein Stullenpaket heraus und machte auf dem Rasen Picknick. Die Flasche mit der Weinschorle leerte ich in einem Zug. In der prallen Sonne tat diese explosive Mischung schnell ihre Wir-kung. Langsam ließ ich mich zur Seite fallen und schlief sofort ein.
Die Sonne schien unheimlich heiß an diesem Tag. Als ich aufwachte, war ich schweißgebadet. Ich taumelte wieder zum Wasser und sprang hinein. Ich hatte nicht nur den Fluss für mich alleine, sondern sogar den ganzen Campingplatz. Alles war wie ausgestorben. Nicht, dass der Campingplatz leer war, aber es war ein-fach niemand draußen. Alle Menschen saßen in ihren Räumen mit Klimaanlage. Warum nur fahren sie dann campen?
Am Ufer beobachtete ich die Libellen und riss ein paar Blätter in kleine Stücke. Wenn sie auf der Wasser-oberfläche landeten, trieben sie langsam flussabwärts. Mich interessierte, wie lange ich ihnen folgen konnte. Ich wanderte am Ufer entlang, durchquerte Gestrüpp und balancierte auf Steinen. Das Wasser wurde immer flacher und die Strömung immer stärker. Überall lag Holz herum. Ich suchte schöne trockene Stücke für ein kleines Feuer am Abend. Schnell war meine Kapazität zum Tragen ausgeschöpft und ich kehrte zurück.
Bei uns waren immer noch alle Türen verschlossen. Es interessierte mich auch nicht, ob sie schliefen oder Fernsehen schauten. Ich startete noch einmal in die entgegensetzte Seite. Auch von dort kam ich mit einem großen Arm voll Holz zurück.
Da waren auch ein paar Stimmen zu hören. Der Nachbar, ein älterer Mann, war draußen mit Barry in ein Gespräch verwickelt. Ich setzte mich zu ihnen und wir erzählten eine Weile.
Barry hatte mir ein paar Himbeeren gepflückt und er schenkte sie mir. Sie sahen so toll aus, ich mochte sie gar nicht essen. Die kleinen roten Perlen waren durchsichtig, wie aus Glas. Sie waren süß wie Zucker und ich ließ sie langsam im Mund zergehen.
Sehr lange hielt ich es allerdings nicht bei den Männern aus. Es gab noch eine dritte Richtung in die ich ein paar Schritte laufen konnte. Unterwegs fand ich große Büsche dieser leckeren Himbeeren. Bei der Menge machte es wirklich Spaß die Früchte zu ernten und sie zu essen. Ich schnitt mir eine hübsche Spitze ab um sie zu malen. Draußen auf dem kleinem
Holztisch machte ich es mir mit meinen Aquarellfarben bequem. Es war eine schwere Arbeit. Genau das reizte mich.
Barry verwöhnte mich mit einem frischen Kaffee. In der Ferne hörte ich Kinder spielen. Doch unsere waren nicht dabei, obwohl sie nicht mehr so krank aussahen. Sie kamen nicht raus und ich ging nicht rein. Als es langsam dunkler wurde, bat Barry die Kinder, sich für das Bett fertig zu machen. Er hatte alles gut im Griff. Für mich gab es nichts zu tun. Ich ging wieder zum Fluss. Einige Glühwürmer schwebten direkt über der Wasseroberfläche, andere leuchteten hoch in den Baumkronen. Auf der anderen Seite des Wassers stan-den die Bäume eng zusammen. Es sah so aus, als wenn dort die Welt zu Ende ist. Direkt über mir raschel-ten die Blätter einer großen Platane. Es waren märchenhafte Stämme. Große Fetzen der Borke waren auf dem Rasen verteilt. Ich sammelte sie, um damit das Feuer zu entfachen.
Die Kinder waren im Bett und Barrys Fernseher lief. Er reichte mir ein Feuerzeug und ich schloss die Tür wieder von draußen. Da saß ich nun alleine unter einem wunderschönen Sternenhimmel und mein Feuer loderte. Verrücktes Amerika! Die Hoffnungen auf Gesellschaft erloschen genauso, wie mein Feuer.