da hast nun sicher wunde finger ich freu mich schon aufs lesen muss ich mal in einer ruhigen minute machen danke fürs erzählen
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2 – Vorfreude, schönste Freude
Das Semester war lang, aber in dieser Woche endeten die Kurse in den Schulen. Selbst wenn ich es gewollt hätte, findet man in den Sommermonaten nicht genügend Teilnehmer. Auch in meiner Werkstatt war es in den Veranstaltungen nicht voll, aber dort hatte ich immer etwas zu tun. Im Sommer sind die Leute in ihrer Freizeit lieber im Garten oder an der See.
Wir hatten keinen Urlaub geplant und wahrscheinlich wären wir gar nicht auf die Idee gekommen, wenn mich nicht eine Malerin meines Kurses eingeladen hätte. Seit langer Zeit sprach Dörte davon, dass ich unbedingt ihre Schwester in Südfrankreich kennen lernen sollte. In diesem Frühjahr ergab sich alles wie von selbst. Die beiden Schwestern hatten Sehnsucht nacheinander. Wir fanden einen gemeinsamen Termin. Peter gelang es über das Internet, ein günstiges Flugticket zu kaufen. Die Tage bis zum Urlaub vergingen schnell.
Abends saß ich am Rechner und erledigte noch meine letzten Aufgaben. Nur schnell dieses Angebot schrei-ben, den Antrag formulieren und die Druckvorlage erstellen….
So ist es immer, am Schluss kommt eins zum anderen und die Zeit rast. Ruck, zuck stand der kleine Zeiger meiner Uhr auf der Zehn. Während das Gepäck meines Lieblingsmannes bereits abfahrbereit auf dem Flur stand, überlegte ich, welche Reistasche ich nehmen sollte. Es war kein Wunder, dass Peter alles fertig hatte, denn bereits seit einer Woche sah unsere Stube wie eine Kleiderkammer aus. Alle Oberhemden schmückten auf Bügeln unseren Schrank in der Stube. Der komplette Inhalt seines Kleiderschrankes war im Zimmer ausgebreitet. Alle Sachen waren frisch gewaschen und gebügelt, als er die heilige Entscheidung fällte, was eingepackt werden soll. So schwer fällt mir das Packen nicht. Meine drei „guten Sachen“ unterscheiden sich eindeutig von meiner Arbeitskleidung. In Windeseile waren sie in die Tasche umquartiert. Nach einer Viertel-stunde ging mein Reißverschluss immer noch leicht zu. Es war sogar Platz für die Malsachen und für meine Neuanschaffung: einen kurzärmeligen und kurzbeinigen Taucheranzug, auf den ich sehr stolz war.
Ein Foto von dem Schnäppchen entdeckte Peter auf der Titelseite der Werbezeitung von Lidl. Er machte mich darauf aufmerksam. Wir beschlossen, für jeden in unserer Familie so einen Anzug zu kaufen. Als ich unserem Freund von meinem Vorhaben erzählte, erklärte er sich bereit, mir bei der Schlacht zu helfen. Der Laden öffnete um acht Uhr. Jörg ist es gewohnt, jeden Tag so früh aufzustehen und so stand er bereits um sieben Uhr vor der verschlossenen Tür. Als ich eine halbe Stunde später kam, schmunzelten wir beide. Wa-rum waren wir ganz alleine? Ohne Leute macht so eine Schlacht ja keinen Spaß! Aber das änderte sich schnell und wir wurden nicht enttäuscht. Nach und nach trudelten die Kunden ein und wir konnten das Ge-fühl genießen, die Ersten in der Schlange zu sein. Pünktlich öffnete sich die Eingangstür. Wir steuerten ziel-strebig zum Mittelgang und erreichten als erste die Sonderangebote. Wie geplant, schnappten wir uns drei Anzüge in den richtigen Größen. Geschafft! Zeit zum Aufatmen! Wir traten etwas zur Seite, während nun wild die Pappkartons aufgerissen wurden. In einer riesigen Menschentraube, wurden die Tauchersachen in allen Größen hin und her gezogen. Der Geräuschpegel wurde immer höher, so dass wir nun den Gang zur Kasse antraten.
Auch dieser Taucheranzug fand noch Platz in meinem Gepäck. Dann trug ich meine Tasche in den Flur. Peters Tag war zu Ende. Meiner noch nicht. Ich setzte mich nun gemütlich in die Stube auf den Sessel, legte meine Füße auf unseren wunderschönen pinkfarbigen Gymnastikball. Im Fernsehen lief ein relativ interes-santer Film. Ich genoss, wie sich in mir nun langsam die Urlaubsvorfreude und das Reisefieber steigerten. Hatte ich an alles gedacht? Was musste ich morgen früh noch erledigen? Was würde uns im Urlaub erwar-ten? Mit all diesen Fragen landete ich um drei Uhr im Bett.
Am Morgen funktionierte ich wie ferngesteuert, aber alles klappte. Mein Urlaub begann, als ich neben Peter im Auto saß. Wir fuhren aus unserer Stadt heraus. Das zarte Grün der Buchenwälder leuchtete im Sonnen-licht. Die Blätter hatten noch lange nicht ihre richtige Größe erreicht. Unser Auto fuhr über die Dörfer in Rich-tung Hagenow, vorbei an den schönen Mecklenburger Feldern. Inzwischen konnte man jede Kornsorte gut erkennen, die ersten Rapspflanzen begannen an den Rändern gelbe Blüten zu zeigen.
Die schwarze Erde des Waldweges zum Gläserhorst war vom Regen durchgeweicht. Peter steuerte unser Auto vorsichtig durch die dicken Pfützen. Mitten in diesem Wald, wo man niemanden mehr vermutet, steht das Haus meiner Malfreundin. Dort wohnt sie mit ihrem Mann Klaus und mit der Familie ihrer Tochter. Die Haushündin Lili saß draußen auf der Treppe und kam uns zur Begrüßung entgegen. Dieses kuschelige Tier-chen hat zwar eine stattliche Größe, aber von der Aufgabe eine Wachhündin zu sein hält Lilly nicht viel. Sie freute sich riesig über jeden Besucher. Ohne dass wir die Klingel betätigten, kam Dörte mit ihrem kleinen roten Plastik-Köfferchen zum Ziehen heraus. Die Tochter folgte ihr, um alle Reisenden zu verabschieden. Ein bisschen Reiselust spiegelte sich in ihren Augen, denn ihr Alltag ist gezeichnet von der Arbeitssuche und der Kinderbetreuung. Sie rollte mit den Augen, als Vater Klaus noch ein weiteres Mal Instruktionen erteilte, was bei der Versorgung von Haus, Hof und Tieren zu beachten ist. „Nun komm schon!“ drängelte Dörte und er stieg ins Auto.
Wir fuhren quer durch das Grenzgebiet, welches Klaus wie seine eigene Westentasche kennt. Er unterhielt uns mit Erlebnissen und Geschichten aus alten Zeiten. Die Fahrzeit nach Frankfurt Hahn war lang.
Wir stoppten an einer Autobahnraststätte. Mein erster Weg führte zu den Toiletten. Doch ich stand vor einem riesigen Edelstahlkomplex mit dicken Schranken und vielen Schildern. Dörte folgte mir und sie schaute ge-nauso unwissend wie ich. Was für eine Freude. Ein junger Mann kam helfend zu uns. Unter seiner Anleitung gelang es uns, eine Eintrittskarte zu den Toiletten zu erwerben. Die Sauberkeit war wirklich eine Freude. Während ich mir nach dem erlösenden Geschäft in aller Ruhe die Hose hochzog, begann sich meine Klobril-le im Kreis zu drehen. Auf diesem Wege wurde sie gesäubert und desinfiziert. Mit dem Wertbon über fünfzig Cent kamen wir sogar alleine wieder raus. Wir bestellten uns dafür einen Kaffee und warteten auf unsere Männer. Sie hatten nicht so viel Spaß wie wir.
Am späten Nachmittag kamen wir an der Mosel an. Wir fanden ein Zimmer in einer kleinen Pension, in Bern-kastel-Kues. Am Abend saßen wir bei einem Glas Wein zusammen und konnten in allen Himmelsrichtungen die Weinberge sehen. Der Flughafen war nur wenige Kilometer von uns entfernt und so hatten wir am Mor-gen nur ein kurzes Stück zu fahren. Die eine Stunde Flugzeit lohnte gar nicht zum Schlafen. Es ertönte die Ansage für die Landung. Die Häuser wurden immer größer und die vielen blauen Pools fielen mir besonders auf.
Dörtes Schwager Erwin holte uns vom Flughafen ab. Er ist ein lustiger rüstiger Rentner aus der Schweiz. In dessen linkem Mundwinkel sich oft eine Zigarre befindet. Seinen Kopf schmückte eine gelbe Baskenmütze. Er trägt am liebsten ein blauweiß gestreiftes T-Shirt mit einer grauen Outdoor Weste mit tausenden Taschen, in denen er allerhand verstecken kann.
Wir hatten zu tun, all’ unsere Sachen in das kleine Auto zu quetschen. Wir saßen auf der Rückbank mit drei Personen wie die Heringe in der Dose. Nach einer Stunde Fahrt mitten durch die wunderschöne Landschaft mit vielen Weinbergen, erreichten wir das kleine Dorf Causses et Veyran. Wir hielten in einer schmalen Straße mit großen Miethäusern. Erwin öffnete das Tor zur Garage und fuhr hinein. Der Raum war eine Mi-schung aus Abstellkammer, Bausstofflager und Antiquariat. Hier begrüßte uns seine Frau Antje. Die beiden Schwestern lagen sich gleich in den Armen. Wir stiegen die Treppen hinauf zur Wohnung. Alles sah riesig aus, weil die Zimmer sehr hohe Decken hatten, wie Säle. Alle Wände waren einheitlich weiß gestrichen und die riesigen Türen glänzten hellblau vom Lack. An den Wänden hingen farbenfrohe Bilder. Erwin und Antje zeigten uns unsere Zimmer. Peter und ich waren erstaunt, denn so einen Luxus hatten wir nicht erwartet. Auf einer großen Liege lag nur eine Bettdecke. Die vielen verschiedenen Muster der Bettwäsche machten dieses Lager einzigartig. In der Ecke stand ein Schaukelpferd. Es hatte schon viele Jahre auf dem Buckel. Eine große Flügeltür war weit geöffnet und man konnte vom schmalen Balkon über die Straße schauen. In den Balkonkästen waren keine deutschen Stiefmütterchen oder Studentenblumen. Immergrüne Sukkulenten zierten hier das Haus, es sah richtig nett aus, weil es nicht zu viele Blüten waren. Eine schwarz-braune Katze schnurrte um meine Beine, und ich war mir sicher, dass es ein schöner Urlaub werden würde.
So jetzt ist wieder etwas mehr Zeit, da gehts weiter, was Neues zum Lesen
3 – Leben in der Salatschüssel
Wir wurden zum Essen gerufen. Auf dem Tisch standen Gläser für Weißwein. Erwin schenkte ein. Mitten auf dem Tisch war eine große, bunte Blumenschale aufgestellt. Doch es war keine Dekoration, es war unser Mittag. Peter wackelte mit der Nase wie ein Kaninchen und grinste. Mir war klar, was er damit sagen wollte, als er die niedlichen, kleinen, blauen Blümchen in der Salatschale sah. Später lernten wir, dass es Boretsch war. Jeder bekam eine Portion auf seinen Teller. Wenn Peter nicht wenigstens dieses halbe gekochte Ei bekommen hätte, wäre er wohl hungrig zum Mittagsschlaf angetreten. Zu Hause gibt es zum Salat meistens eine Fleischportion und Kartoffeln, aber hier reichte ein Stück Meterbrot zum Sattwerden. Grünes stand nicht nur auf der Speisekarte, es war, als wenn man in der Salatschüssel wohnt. Während wir durch die idyllische Gegend spazierten, roch es überall nach Thymian. Der Frühling leuchtete in allen Farben. Der Flieder blüh-te. Die Gingsterbüsche strahlten mit gelben Blüten.
Aber schon am Abend stellte sich heraus, dass Erwin ein leidenschaftlicher Koch war. Er verwöhnte uns täglich mit fünfgängigen Menüs. Wir haben dort Sachen gegessen, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kenne. Unsere beiden Gastgeber liebten es, das Essen zu zelebrieren. Wir saßen oft über mehrere Stunden am Tisch. Zu jedem Gang wurde ein anderes Getränk gereicht. Selbst beim Einschenken gab es strenge Regeln in der Reihenfolge der Bedienung. Peter war der einzige, der Erwin etwas zur Hand gehen durfte. Uns Frauen war es meistens streng untersagt. Im besten Fall durften wir beim Abdecken oder beim Einräu-men der Spülmaschine helfen.
Am Morgen wachte ich auf, mir war kalt. Der größte Teil unserer gemeinsamen Bettdecke war nicht bei mir. Hier gab es kein dickes Federbett, keine Kuscheldecke und keine dicken Wollsocken, wie zu Hause. In Süd-frankreich war es nicht so warm wie erwartet. Aber vielleicht lag es auch daran, dass die Balkontür sperran-gelweit auf stand. Die Schwalben flogen dicht an der Tür vorbei. Im Hintergrund hörte ich Gesangsübungen. Es war leise und hörte sich an, als wenn sich ein Chor einsingt. Später erfuhr ich, dass Antje und Erwin mit diesem Ritual jeden neuen Morgen begrüßen. Nach den Tönen der Klangstäbe singen sie sich frei für den Tag. Was krabbelte denn da auf dem Fußboden? Ameisen! Eine richtige kleine, schwarze Straße führte an der Wand entlang. Ich stand auf um mir die Sache genauer anzusehen. Der Strich endete genau an meinem Rucksack. Nein, das war wirklich nicht nett! Warum denn immer bei mir? Ich untersuchte den Fall. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Mein Reiseproviant. In einer Papiertüte war noch ein schönes Ochsenauge. Der zuckersüßen Klecks Marmelade war es, was die Ameisen mochten. Dabei hätte ich diesen leckeren Keks noch gut essen können, aber nun nicht mehr! Vorsichtig schüttelte ich die Ameisen aus der Tüte und es dauerte nicht lange, bis auch die anderen ihnen nach draußen folgten.
Das Haus war groß. Wir Frauen verschwanden im Dachgeschoß. Mit viel Liebe, Zeit und Geld hatten sie diesen Raum ausgebaut. Es war Antjes Reich. In ihrem Leben hatte sie in vielen verschiedensten Jobs ge-arbeitet. Nun, an ihrem Lebensabend, nutzte sie verständlicherweise den größten Teil des Tages, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Sie genoss es, wenige Aufgaben zu haben. Das Kochen erledigte ihr Mann, zum Saubermachen hatten sie eine Putzfrau und mal beim Abwaschen oder beim Ausräumen der Spülmaschine zu helfen, bereitete ihr Freude. Sie beschäftigte sich mit dem Gießen der Balkonpflanzen, züchtete Kräuter in ihrem Garten. Sie lag in der Sonne und las. In ihrem Gesicht war immer ein Lächeln. Oft zog sie sich fünf bis sieben Mal am Tag um. Teilweise war es begründet, weil die Temperaturen sehr schwankten. Es war nicht so, dass sie sich besonders herausputzte. Ihre Sachen waren einfach, oft selbst genäht und jedes Klei-dungsstück hatte eine lange Geschichte. Zu jedem Outfit erschien sie mit neuer Frisur. Ihre langen, leicht gewellten, grauen Haare hatte sie manchmal hochgesteckt oder sie hatte leuchtende, farbige Tücher einge-bunden. Dörte hingegen sah zu jeder Zeit perfekt aus. In ihrem kleinen Köfferchen war natürlich die beste Urlaubsgarderobe eingepackt. Es waren schicke Sachen, sicher aus einer Boutique, denn sie gönnt sich gerne das ein oder andere teure Stück. Darüber allerdings machte sich „Klausimausi“, wie Dörte ihren Mann liebevoll nannte, keine Gedanken. Wenn er vor dem Fernseher die Börsenberichte anschaute, erfreute er die Menschheit mit klugen Ratschlägen zur sinnvollen Geldanlage. Es gab so viel Schönes in diesen Tagen und ich war sehr dankbar, dass wir diese Reise machen konnten.
Erwin war der beste Reiseführer. Er zeigte uns alles, was in dieser Gegend interessant war. Wir besuchten ein paar kleine Städte, krabbelten auf die Burg, schauten von Brücken, besichtigten einen Botanische Gar-ten und einen Weinkeller.
Besonders interessiert war ich an der Badestelle. Erwin lieferte Peter und mich in der Nähe ab, so dass wir noch einen kleinen Spaziergang zum Fluss machen konnten. Das Wasser schlängelte sich zwischen den Weinbergen hindurch. Es war eine tolle Gegend und wir waren ganz alleine. Jeder von uns suchte sich ei-nen Ast, um die Sachen aufzuhängen. Dann zogen wir unsere kleinen Taucheranzüge an. Peter war schnel-ler als ich. Er griff seine Maske und seinen Schnorchel und ging zum Wasser. Schon als der Fuß im Wasser war, begann er zu stöhnen. Aber er zeigte Mut und machte sich nass. Gerade als ich am Wasser war, kam er wieder heraus. An der warmen Luft ließ der Schmerz der Kälte nach. Nun versuchte ich es. „Huh!“ Es war wirklich kalt. Kam dieses klare Wasser vom Gletscher? Ich atmete tief durch und sprang hinein. Das kalte Wasser drang in den Taucheranzug. Es erwärmte sich nur langsam durch meine Körpertemperatur. Doch ich gewöhnte mich daran. Durch die vielen interessanten Steinplatten die das Flussbett begrenzten, war ich abgelenkt. Teilweise konnte ich den Grund nicht erkennen, weil es so tief war. Die Strömung war stark. Die kleinen Fische waren am Boden wie angenagelt. Ich schwamm dem Fluss entgegen und schaute in jede Bucht, ließ mir von den kleinen Wasserfällen den Rücken massieren oder mich vom Wasser treiben. Wie ein Fisch vergnügte ich mich im Wasser. Peter versuchte es noch ein weiteres Mal, doch er konnte es nicht aushalten in diesem kalten Wasser, da half auch kein Anzug.
Die Werke der Hausherrin waren einzigartig. Es waren Bilder und Collagen mit viel Farbe, deren Deutung viel Phantasie erforderte. In diesem Haus war eine langer Abschnitt von Antjes Leben ausgestellt. Die Jah-reszahlen der Bilder verrieten mir den Zeitpunkt der Herstellung. Antje war ihrem Stil immer treu geblieben. Sie hatte den Pinsel nur dann in die Hand genommen, wenn sie Lust dazu hatte. Vielleicht war es das, was Dörte mir zeigen wollte? Sie hatte schon immer an mein Talent geglaubt und gesagt, dass mehr in mir schlummere. Oft trösteten mich ihre Worte, wenn ich müde war von den sinnlosen Arbeiten. Sie ermutigte mich weiterzumachen. Ihre Meinung war, dass ich mir irgendwann einmal ein Stück von der großen Kunst abschneiden kann. Diese Hoffnung habe ich auch. Aber ich weiß, dass ich bis dahin meinen Anteil am Fami-lieneinkommen verdienen muss. So werde ich auch weiterhin Osterhasen und Weihnachtsmänner basteln und Kurse leiten. Aber den Weg zur Kunst werde ich nicht aus den Augen zu verlieren. In Frankreich hatte ich Zeit, meine Gefühle zu Papier zu bringen. Mit meinen Aquarellfarben entstanden schöne einzigartige Katzenbilder in Kombination mit Blumen.
Wir verbrachten wunderschöne und unvergessliche Tage in Frankreich. Auf der Heimreise unterbrachen wir unsere Fahrt und kehrten in ein Motel ein. Wir lieferten Dörte und Klaus wieder im Hagenow ab und erreich-ten glücklich Schwerin.
4 – Hurra, das Kind ist wieder da
Jana beendete ihr Schuljahr in Lancaster. Barry hatte ihr sogar ein Ballkleid genäht, denn sie hatte viele Abschlussfeiern. In allen Unterrichtsfächern erreichte sie beste Ergebnisse. Ihr Abschlusszeugnis bewies uns, dass es richtig war, sie auf diese Reise zu schicken. Sie hat dort viel gelernt, was sie für ihr weiteres Leben brauchen wird.
Im Mai landete sie und ihr Freund Jake auf dem Flughafen in Hamburg. Leider schaffte es die Fluggesell-schaft nicht, dass sie zusammen fliegen konnten. So mussten sie beide die vielen Stunden alleine überste-hen. Zuerst konnten wir unser Kind in die Arme nehmen, eine Stunde später begrüßten wir den Amerikaner.
Zu Hause warteten viele unserer Freunde und die Familie, um Jana „Hallo“ zu sagen. Jake war erstaunt und genoss es, hier so herzlich aufgenommen zu werden. Wir starteten eine kleine Grillparty. Jake liebte unsere Bratwurst, sein Rekord lag bei sieben Stück pro Abend. Wenn ich Mittag kochte, traf mein Angebot nur ein-geschränkt seinen Geschmack. Die Koteletts, Klopse und einfach alles an Fleisch verschwanden schnell in diesem Jungen. Peter hatte oft Angst, dass er nicht genug bekommt und er sicherte sich gleich zu Beginn die doppelte Portion Fleisch auf seinem Teller. Für verschiedenes Gemüse, Salate oder jegliche Art von Obst erntete ich nur ein Kopfschütteln. Den Umgang mit Messer und Gabel zu beobachten, war ein lustiges Erlebnis. Die Menge an Ketchup eher beängstigend. Wie oft bei kleinen Kindern, war auch bei unserem A-merikaner der Teller nie leer gegessen und sah aus wie nach einem Bombenangriff. Auch der Kellner in der Gaststätte schmunzelte. Mit einem Lächeln fegte er den Platz um ihn herum sauber, denn dort ging einiges zu Boden.
Wir wollten unserem Gast alles zeigen, was wir liebten, was uns gefällt, woran unsere Erinnerungen hängen. Aber es ist schwer für einen Fremden, alles das zu verstehen und Vieles bleibt fremd. Sein Interesse hielt sich in Grenzen. Oft war er den ganzen Tag nur müde und wollte am liebsten schlafen. Er war ein Teenager, wie er im „Buche steht“, der Weg zum Erwachsensein ist noch lang und hart für ihn. Aber es machte ihm Spaß, unsere Sprache zu lernen und er machte gute Fortschritte. Er erlebte mit uns die Fußballaktionen dieser großartigen Weltmeisterschaft. Wir sahen Spiele an den großen Bildschirmen im Zentrum unserer Stadt und auch in den Kneipen. Auf jedes Tor wurde angestoßen und das Bier, welches er hier trinken durfte schmeckte ihm gut. Dieses Partyleben kannte er nicht aus seinem Teil Amerikas. Jana stellte hier schnell fest, dass Jake nicht für die ganz große Liebe reicht. So blieb es bei einer Freundschaft zwischen den bei-den, worüber Jake allerdings sehr traurig war.
Zu dieser Zeit begann Barry meine erste Ausstellung zu organisieren. Viel konnte ich zu diesem Thema nicht erfahren. Auf zehn meiner Fragen erhielt ich oft nur eine Antwort. Aber es lag einfach daran, dass Barry keine Lust hat, am Computer zu tippen. Ich vertraute ihm und hoffte, dass er alles im Griff hatte.
Wenig später stellte Carrie mir die Frage, ob ich nicht kommen könne. Der Rat der Künste South Carolina wollte die Künstlerin kennen lernen. Ich las ihre E-Mail immer und immer wieder, es lag mir wie ein Kloß im Hals. Seit diese Bilder mit dem Paket unterwegs waren, überlegte ich, wie sie wohl sein würde, die erste Ausstellung in den USA. Natürlich war dieser Wunsch da, dort dabei zu sein. Was hatte ich hier schon alles versucht, wie lange kämpfte ich hier um das nackte Überleben. Nun wollte dieses große Land nicht nur meine Bilder sehen, sondern auch mich. Allein diese Einladung war für mich schon eine große Bestätigung. Es war eine große Anerkennung.
Doch ich sah in unseren Geldbeutel. Die Familienkasse war leer. Peter sagte: „Wenn, dann musst du alleine fliegen!“ Viele Gedanken rasten durch meinen Kopf. Würde ich das alles alleine meistern. Konnte ich genug Englisch? Wie gut, dass ich an diesem Englischkurs im Seniorenbüro teilgenommen hatte. Konnte ich ein-fach alleine diese Zeit genießen? Meine beiden schien diese Situation nicht zu schocken. Ich traute ihnen zu, alleine klar zu kommen. Eine Frage nach der anderen beantwortete sich selbst und es wuchs der Reiz, es zu versuchen. Sehnsüchtig beobachtete ich die Preise der Flüge. Doch es war erschreckend. Ich sollte fast doppelt so viel Geld auf den Tisch legen, wie auf unserer ersten Reise.
Als mein Auto in der Werkstatt stand um die TÜV Untersuchung durchzuführen, kam der Schock. Die Spezi-alisten sagten „Es ist ein Haufen Schrott“. Mein schönes Auto. Es lief wie eine Biene. Ich konnte es kaum glauben. Doch ich bekam keinen Schein, und an eine Reparatur war nicht mehr zu denken. Ich trug es mit Fassung, ein neues Auto musste her. Traurig schrieb ich meiner Freundin von meinem Schicksal. Ich er-gänzte den Satz: „Nur ein Wunder kann helfen!“. Genau das ließ zum Glück nicht lange auf sich warten. Einige Tage später teilte mir Carrie mit, dass der Bund der Künstler Amerikas mir den halben Fahrpreis er-statten will. Gleichzeitig überraschten mich meine Eltern mit einer finanziellen Spritze für mein neues Auto. So blühten wieder Hoffnungen in mir. Sie wurden jeden Tag ein wenig bunter.
„Du brauchst einen Kombi“ sagten sie alle. „Damit du das ganze Zeug mitschleppen kannst“. Mir war es ganz egal, ob groß, ob klein. Wenn es ein kleines Auto wird, wird die Rückbank umgeklappt, wenn es groß wird, werde ich das Parken üben müssen. Es interessierte mich nicht, welche Automarke es wird. Wichtig war, dass wir dieses Auto bald brauchten, denn mein TÜV war abgelaufen. Inzwischen fuhr ich schon fast drei Wochen, ohne dass es erlaubt war. Mit schlechtem Gewissen parkte ich nicht mehr auf öffentlichen Parkplätzen, sondern versteckte meinen Citroen nur noch auf Hinterhöfen. Wir hofften, das richtige Auto über die Werkstatt zu bekommen. Es war nichts zu finden. So zog Peter mit mir los. Wir haben uns alle Ge-brauchtwarenautos in unserer Stadt angesehen. Ein leuchtend metallic türkisfarbiger Toyota strahlte mich sofort an. Einige Tage später rollten diese vier neuen Räder auf unseren Hof.
Am selben Abend schnüffelte Peter im Internet herum. Ganz zufällig öffnete er die Seite mit den Flugpreisen. Da gab es auf einmal einen Termin für einen günstigen Flug. Sofort ließen wir das Telefon in Amerika klin-geln. Unsere Freunde hatten nichts gegen diesen Termin. Peter hatte den Finger auf dem Wort „ Buchen“ und dann drückte er drauf. So schnell kann es gehen. Ich atmete tief durch, es war passiert, es gab kein Zurück mehr!
oh klasse es geht weiter wollte letztens schon nachfragen aber hat sich nun erübrigt danke fürs erzählen
Na, klar; ich hab noch ein paar!
5 – Spaß am Inselsee
In einer Woche war mein Flugtermin. Mir blieben gerade noch ganze zwei Tage zum Packen. Die Sachen zu Hause waren schnell in der Tasche. Aber in der Werkstatt stand ich vor schweren Entscheidungen. Für die-se Ausstellung wollte ich auch noch ein paar Bilder, von denen, die zu schwer waren, um sie mit der Post zu schicken mitnehmen. Ich legte alles auf einen Stapel und tauschte es tausend Mal. Auch mit den Malmateri-alien war es gar nicht so einfach. Man weiß ja nie, was man da alles schafft und was man zum Arbeiten braucht. So wurde es doch ein beachtlicher Haufen, den ich auf zwei Gepäckstücke verteilen musste. Doch vorher kam noch die Fahrt zum Inselsee.
Am Freitag früh klappte ich die Rückbänke meines Autos zurück, um die neue riesige Ladefläche zu testen. All meine Stapelkisten mit Nahrungsmittel und Malsachen fanden ihren Platz. Allerdings war auch dieses große Auto irgendwann voll. Gegen Mittag startete ich in Richtung Güstrow. Eine Woche Erholung und Male-rei standen auf meinem Programm.
Ich liebe diesen Platz mitten in der Natur. Über einen langen schmalen Holzsteg erreicht man dieses Boots-haus. Zu beiden Seiten sieht man im flachen Wasser die wunderschönen grünen Seerosenblättern. Wenn die Sonne scheint, öffnen sich auch die rosa Knospen und strahlen in einem sauberen Weiß. Das Haus ist aus Holz, welches mit einer kräftigen orangebraunen Farbe gestrichen ist. Ein dickes Schilfdach macht es in seiner Größe einmalig. Von einer großen Terrasse kann man weit über den See schauen.
Der Schilfgürtel ist nicht weit entfernt. Die dort brütenden Blesshühner zeigen sich mit ihrem schwarzen Ge-fieder ab und an. An ihrem weißen Fleck auf der Stirn sind sie gut zu erkennen, bevor sie wieder für einen längeren Tauchgang verschwinden. Aus der Ferne hört man die dumpfen Balzrufe der Rohrdommel.
Unermüdlich fliegen die Schwalbeneltern, um ihre Jungen in den Nestern unter dem Haus zu füttern. Es ist ein Gezwitscher. Dieses Lied ist manchmal laut und manchmal leise. Majestätisch ziehen die Schwäne täg-lich ihre Runden. Wenn „Hansi“, so wurde der Schwanenvater irgendwann einmal getauft, mit seiner Familie vor dem Bootshaus eintrifft, hat auch schon jemand eine Toaststulle in der Hand. Auch die Enten und die Möwen sind dann sofort zur Fütterung da, als wenn sie immer in Lauerstellung liegen.
Die Organisation dieser Woche ist jedes Jahr spannend. Das Objekt ist groß, es gibt sieben Zimmer mit fünfzehn Betten. Dementsprechend hoch ist auch der Preis. Seit sieben Jahren zittere ich jedes Jahr, ob auch genug Interessenten mitfahren, damit ich nicht alleine auf den Kosten sitzen bleibe. Wie jedes Jahr sagten auch ganz kurzfristig einige ab. Der eine ist krank, der andere muss arbeiten, aber es waren doch viele Freunde da. Einige aus der Familie und die treusten Maler nutzten die Chance, hier einige Tage zu-sammen zu sein. Wir verbrachten unsere Zeit mit Malen, Baden, Spazieren gehen. Wir unterhielten uns viel. Bei dieser Aktion kamen viele Leute zusammen. Am Wochenende saßen schon mal fünfundzwanzig Perso-nen am Tisch. Das Essenkochen für alle war mein Job, ich war der Chef. Diesen Job lasse ich mir nicht neh-men.
Manchmal genießt man die Nähe, dann wieder kann sich jeder zurückziehen. In diesem großen Gelände geht es gut. Es bildeten sich verschiedene Gesprächsrunden. Die Raucher verzogen sich ans Festland, Für einige begann der Mittagsschlaf und die Fans schauten Fußball auf unserer Leinwand. Die Angler versuch-ten ihr Glück mit teuren Angelruten. Aber die Fische ließen sich davon nicht beeindrucken. Es war Totenstille auf dem See. Große Fangerfolge wurden an diesem Wochenende nicht erzielt.
Am Montag waren alle Angler abgereist. Meine Kiste mit dem Angelzubehör lächelte mich an und der Jagd-trieb kam wieder durch. Ich suchte mir einen passenden Holzknüppel. Mit Sehne, Flott, Blei und einem Ha-ken war meine eigene Angel in wenigen Minuten fertig. Die Vorfreude stieg, als ich in der Küche den lecke-ren Hefeteig anrührte. Er wurde in der Hand solange geknetet, bis er weich und geschmeidig war. Endlich hing meine Angel im Wasser. Die Fische mochten meinen Teig. Viele waren zu klein, und ich ließ sie wieder schwimmen. Doch dann verschwand mein Flott richtig. Schnell zog ich an. Es war eine Brachse. Ich sah sie, aber nicht lange! Es achte „knack“ und mein Holzknüppel brach in zwei Teile. Leider hatte ich den unteren Teil. Mit dem vorderen Stück schwamm der Fisch weiter zur Seemitte. Das Flott tauchte auf und wieder un-ter. Das konnte ich nicht durchgehen lassen. Ich riss mir die Kleider vom Leib. Für den Badeanzug war keine Zeit mehr. Ich sprang ins Wasser und musste ordentlich Gas geben, um meiner Angel zu folgen. Ich erreich-te sie und hielt die Sehne in der Hand. Vorsichtig zog ich den Fisch an die Wasseroberfläche und sah, wie mein winziger Angelhaken in seinem Maul steckte. Aber ich hatte Bedenken, dass sich das schnell ändern könnte. Ich schrie um Hilfe. Allerdings waren meine Zuschauer mehr damit beschäftigt, Fotos zu schießen. Aber es fand sich doch jemand, der mir einen Eimer reichte. Wir konnten den Fisch aus dem Wasser ziehen. Es war ein großes Tier. Am nächsten Tag landete es in der Pfanne.
Am Donnerstag erledigten wir die Endreinigung alle problemlos gemeinsam. Einer nach dem anderen schüt-telte meine Hand und wünschte mir für meine Reise viel Glück. Peter war der Letzte, der sein Auto beladen hatte und startete, um nach Hause zu fahren. Ich kontrollierte alle Zimmer, legte alle Decken ordentlich zu-sammen und wartete auf die Übergabe. Pünktlich zum Termin wurden alle Löffel und Gabeln in die richtige Schublade gezählt. Jeder Topf hat einen Platz im Schrank. Die Abrechnung erledigten wir unkompliziert wie in jedem Jahr.
Die Sonne hatte den größten Teil ihrer Kraft bereits verschenkt. Einmal wollte ich noch ins Wasser vor mei-nem Urlaub, ein letztes Mal in den See. Bob, ein großes schwarzbraunes Tier, eine Mischung aus Schäfer-hund und Dobermann, tanzte aufgeregt und wild hin und her. Sein Herrchen Charly, der Besitzer dieses Bootshauses, wedelte mit einem dicken fetten Holzknüppel. Jeder kennt dieses Spiel „Stöckchen holen“. Im Wasser war es viel spannender. Der Knüppel flog in hohem Bogen ein ganzes Ende auf den See hinaus. Der Hund überlegte nicht lange. Sofort sprang er vom Steg, um dieses Spiel mitzuspielen. Es platschte noch ein weiteres Mal, denn auch das Herrchen landete nach einem Kopfsprung im Wasser. Beide schwammen um die Wette. Doch der Hund hatte schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Es fiel Charly nicht schwer, schneller zu sein. So war er schneller am Stock und warf ihn noch ein ganzes Stück weiter. Mir tat Bob so leid. Es schien, als wenn dieses Ziel mitten auf dem See war. Der Hund war sauer. Während er in die neue Richtung schwamm, gab er merkwürdige Geräusche von sich. So eine Mischung aus Bellen und Knurren. Endlich hielt er den Knüppel stolz in seiner Schnauze. Er schwamm ohne stop zu seiner Treppe und krab-belte auf den Steg. Wie ein Biber begann er mit lautem Krachen dieses Holz in unzählige kleine Stücke zu raspeln.
Jetzt war es auch für mich Zeit, die Heimfahrt anzutreten. In der Werkstatt lud ich mein Auto aus. Ich verab-schiedete mich von meinen Eltern und irgendwann abends, gegen zehn Uhr war ich zu Hause. Peter ver-sorgte mich mit den nötigen Reiseinformationen. Ich bekam eine Einweisung für meinen Laptop, erfuhr die Nummern für die Nutzung der Kreditkarte, lernte die Telefonnummern im Ausland …Alle verschwanden im Bett, und ich saß in der Stube und überlegte, ob ich an alles gedacht hatte. Ein Stündchen bin ich wohl doch eingeschlafen als morgens der Wecker klingelte.
ich mag fisch aber selber angeln könnte ich nicht die zappeln und dann töten is nichts für mich aber denk ich mir das da alle lieber fotos machten wie dir zu helfen wen du da ohne kleider am rumplanschen bist aber wär wohl auch ein platz wo ich mich wohlfühle diese ruhe in der natur der see sowas gefält mir freu mich auf die fortsetzung jetzt scho
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