Zu Beginn war die Idee, einige klassische Aussagen über das Thema Hexen und Hexenverfolgung zusammenzutragen. Wie sich zeigte gab es da einige, jedoch war es uns nicht möglich sie alle zu diskutieren, weshalb auch an dieser Stelle einige genannt werden solle, soweit wir sie anschließend etwas diskutiert hatten:


1. Hexen gab es schon immer und sie sind im Verborgenen bis heute dabei ihr Wissen zu Überliefern
Wie sich zeigt gibt es hier sehr unterschiedliche und wie unterstellt wurde meist interessensgeleitete Gründe für eine Annahme dieser Behauptung. Jedoch schienen die meisten davon auszugehen, dass diese Annahme eher schwer zu halten sein wird.

2. Hexen und Satansanbeter sind das Gleiche
Etwas mehr Uneinigkeit bestand in der Frage, ob alle hexen als Satanspriesterinnen verstanden werden müssen. Hie zeigte sich, dass einige Anwesenden mit dem Verweis auf die Bibel alles Zauberwerk dem Satan zuordneten, Hexen also ebenso. Andere Stimmen verwiesen auf den Umstand, dass ja die wenigsten Hexen auch tatsächliche Hexerei betrieben, sondern oftmals aufgrund anderer Auffälligkeiten denunziert wurden. Und eine dritte Fraktion verwies auf den Umstand, dass viele aber sicherlich nicht alle Hexen durchaus auch „Schwarze Messen“ zelebrierten.

3. Die Hexenverfolgung fand hauptsächlich im Mittelalter statt. Hier wurde von einer Teilnehmerin darauf hingewiesen (und weitestgehend akzeptiert), dass die eigentliche Hexenverfolgung erst recht spät stattgefunden hat, die ursprüngliche Inquisition im wesentlichen auf die Verfolgung von Ketzern abzielte, die sich gegen die im Zuge der Kirchenreform erfolgten Veränderungen verweigerten. (Ganz grob verallgemeinert).

4. Die Kirche hat die Folter zu einem Werkzeug der Befragung gemachtWas die Rechtslage betrifft, so war es nicht allgemein akzeptiert, dass die Kirche hier so eine Negativrolle spielte. Vielmehr wiesen kritische Stimmen darauf hin, dass z.B. Folter eine gängige Praxis war, die von der im Zuge der Inquisition aufgearbeiteten Rechtspraktiken stark reglementiert wurden – was eindeutig eine „Verbesserung“ darstellte, wenngleich es uns heute immer noch unmenschlich erscheint. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass in der Mehrzahl es die weltlichen Gerichte waren, die bevorzugt die Todesstrafe verhängte, wohingegen es innerhalb kirchlicher Gerichte durchaus (und nicht selten) die Möglichkeit zur Reue und zu abgemilderten Urteilen gab (.z.B. Tragen des Büßerkreuzes) Die Annahme einer rein willkürlichen Rechtsfindung war damit ein wichtiger Kritikpunkt, wobei durchaus auch auf die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis verwiesen werden muss. Die Aussage jedenfalls, ein System das Unschuldige verurteilt ist verabscheuenswürdig, muss jedenfalls kritisch hinterfragt werden, zumindest nach welchen Maßstäben man dies beurteilt .... dem mit dem Hinweis auf auch heute noch stattfindende Fehlurteile wird auf ein allgemein positives Rechtsverständnis verwiesen, dem dennoch Fehler unterlaufen.

5. Die Hexenverfolgung wurde genutzt, um unbeliebte Nachbarn zu denunzieren und aus dem Weg zu räumen.
Auch die Behauptung, dass wahllos Menschen denunziert wurden, fand durchaus auch Zweifler, vor allem auch weil falsche Denunzierung selbst zu drakonischen Strafen führten und eine bestehende Todfeindschaft auch zumindest in der Theorie ein zulässiger Grund war, Zeugen aus dem Prozess auszuschließen. Offensichtlich besteht hier aber insgesamt noch Potential für eine Fortführung der Diskussion.

6. Der Hexenhammer ist das klassische Beispiel für eine Hetzschrift der Kirche.
Die Bedeutung des Hexenhammer wurde nur kurz am Rande angezweifelt, konnte aber nicht wirklich zu einem befriedigenden Ergebnis kommen. Die Zweifel richteten sich dabei erstens gegen die Bedeutung der Schrift für die kirchliche Obrigkeit bzw. Die kirchlichen Stellen, zum andern wurde darauf hingewiesen, dass die Autoren selbst ausdrücklich die Verfolgung der Hexen durch die kirchliche Inquisition ablehnten – wobei es zu klären gälte, was von dieser Aussage zu halten ist.

7. Es war die Kirche, die die Hexenverfolgung vorantrieb und die staatlichen Gewalten zwang die Strafen zu verhängen.
Ebenfalls am Rande kamen in dieser Frage Zweifel auf, inwiefern hier die Rolle der Kirche in deutlich größerem Maß angeprangert werden muss, als der Zeitgeist im Allgemeinen. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Vielzahl an Strafverfolgung zum einen auf Drängen von der einfachen Bevölkerung (der sich selbst Fürsten aus Sorge um Aufstände beugten), zum anderen auf die Prozesse gegen die erfolgte Selbstjustiz verwiesen. Auf jeden Fall gibt es auch hier viel Raum für eine Fortführung der Diskussion.

8. In der Zeit der Hexenverfolgung lebten alle Menschen in Angst und Schrecken der nächste zu sein.
Eine der am heftigsten diskutierten Fragen war, inwiefern tatsächlich ein Klima der Angst vor Hexenverfolgung gegeben war. Ganz eindeutig waren manche der Vertreter der Meinung, eine glasklare Terrorherrschaft mit den entsprechenden Ängsten vor einer Verfolgung Andersdenkender zu sehen. In diesem Zusammenhang wurden auch Vergleiche mit dem Dritten Reich gemacht.
Jedoch wurde diese Behauptung mit dem Verweis auf die tatsächlichen Zahlen angezweifelt, bzw. es wurde darauf hingewiesen, dass – unter Berücksichtigung der tatsächlichen Zahlen – es äußerst fragwürdig ist, ob hier wirklich ein solches Klima aufzukommen vermag, und ob diese Behauptung nicht politisch bzw. ideologisch eingefärbt ist. Auf alle Fälle hat sich gezeigt, dass diese Diskussion eine besondere Rücksichtnahme und eine besondere Besonnenheit erfordert. Dennoch ist es sicherlich ein Punkt, der ebenso weitere Aufmerksamkeit verdienen könnte.

In diesem Sinne hoffe ich auch hier, dass sich die ein oder andere Diskussion ergeben wird. Die Zusammenfassung des zweiten Teils wird in Kürze folgen.....