Rückblick.
Es war nicht immer so, dieses vergangene Jahr,
wie ich es mir gewünscht hätte, Herr.
Es gab Schwierigkeiten, unter denen ich zu zerbrechen meinte,
und da waren Anfeindungen,
die es mir schwer machten,
in dem anderen dein Geschöpf zu sehen:
zu lieben, statt zu hassen.
Und da waren Zweifel und Fragen,
und du gabst nicht immer Antwort,
oder ich verstand dich nicht.
Und es war durchaus nicht so,
dass ich immer gerne tat,
was du von mir erwarten konntest.
Aber da war auch das andere:
Menschen, die einem zur Seite standen,
die Rat und Hilfe gaben.
Und da war dein Friede,
wenn die Angst vor der Zukunft mich überwältigen wollte.
Und das Vertrauen in deine Macht:
denn du siehst alles,
weißt alles, weißt es besser als ich.
Und Geduld gabst du,
wo ich längst keine Hoffnung mehr hatte,
und Liebe, wo ich resignierte.
Enttäuscht habe nur ich,
du hast dein Versprechen gehalten.
Blockiert war nur ich,
du wolltest geben und du hast gegeben,
völlig unverdient.
Habe ich dir dafür genug gedankt,
auch für die vielen glücklichen Tage,
für Gesundheit und Frieden
und die vielen Situationen,
wo du mich vor Schaden bewahrt hast,
wie auf jener Kreuzung, wo es um Millimeter ging,
wo gerade noch eine Hand dazwischen war - die deine.
Habe ich dich immer erkannt,
oder habe ich den Zufall geehrt und das eigene Können?
Habe ich mir selbst auf die Schulter geklopft?
Bin ich nicht oft blind an dir vorbei gegangen
und an dem Menschen, dem ich hätte helfen sollen?
Vergib, Herr, wo ich blind war oder undankbar,
nicht voll Freude, wo ich Anlass gehabt hätte,
oder voll Bitterkeit,
vielleicht sogar auf Menschen,
denen du schon vergeben hattest.
Wird es besser in Zukunft?
Habe ich gelernt an den Lektionen dieses Jahres?
Du allein weißt es.
Ich weiß nur, dass ich deine Vergebung,
deine Geduld und Fürsorge nicht verdient habe,
aber auch morgen ohne sie nicht leben kann.
von unbekannt





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