Hallo Gerd!

Dann will ich mal versuchen, ein paar Gedanken geordnet aufzuschreiben...
Also um eins vorwegzunehmen:
Ich war 23 Jahre lang (d.h. von Geburt an) katholisch und bin vor einem Jahr ausgetreten.
Insgesamt bin ich nicht 100% gegen alles in der katholischen Kirche. Aber ich würde schon sagen, so gegen 70%.

Fangen wir mit dem Positiven an.
Womit du größtenteils Recht hast ist, dass die katholische Kirche oft nicht mit dem Strom schwimmt wenn sie meint, dass das gegen Gottes Willen wäre.
Es ist auf jeden Fall gut, mit seinen Taten und Aussagen nicht den Leuten gefallen zu wollen sondern Gott!
Wie das in der evangelischen Landeskirche da aussieht, weiß ich nicht, die halten sich ja ofteher ruhig. Über Freikirchen kann man so allgemein nicht "urteilen", dazu gibt es zu viele völlig unterschiedliche.

Entgegen vieler bin ich der Meinung, dass es richtig ist, dass das gemeinsame Abendmahl abgelehnt wird. Denn es ist doch technisch gar nicht möglich: Die röm. kath. Kirche glaubt an die Realpräsenz Christi im Abendmahl (d.h. aus dem Brot wird echtes mensclich-göttliches Fleisch), die evangelischen Gläubigen in der Regel nicht. Würde man nun gemeinsam Abendmahl feiern, so müsste doch einer von beiden seinen Glauben "verstecken" oder heucheln...


Dann gibt es aber einiges an der Lehre der der röm.kath. Kirche, was ich stark bemängle:

- Marienverehrung (und Heiligenverehrung). Sie wird ja oft wortwörtlich "Miterlöserin" genannt oder "Mittlerin". Das entbehrt meiner Meinung nach jeglicher biblischer Grundlage und artet in Götzendienst aus. Die Bibel sagt klar: es gibt nur einen Erlöser und nur einen Mittler

- Papsttum. Dass es ein Oberhaupt in so einer großen Kirche geben muss, ist völlig klar. Aber dass er sich Stellvertreter Christi auf Erden nennt und das mit Petrus begründet halte ich schon für sehr weit her geholt. Desweiteren nennt man ihn "Heiliger Vater", obwohl Jesus wörtlich sagt, wir sollen niemenden auf der Erde unseren Vater nennen, denn wir haben einen Vater, den im Himmel. Auch wenn der Papst sagt, alle seine Entscheidungen kommen von Gott... da oft ein Papst etwas anders entscheidet als sein Vorgänger hieße das, dass Gott alle paar Jahre seine Meinung ändert...

- Taufe / Erstkommunion / Firmung. Dass die Taufe durch zwei spätere Rituale bestätigt werden muss, zeigt ja schon, dass sie sich selbst darüber bewusst sind, dass eigentlich ein willentlicher Akt der Bekehrung notwendig ist. Leider wird hier den Leuten auch nicht Zeit gegeben, bis sie glaubensmäßig soweit sind, sondern nur, bis sie ein bestimmtes Alter haben. Zwar könnte ein nichtgläubiger Jugendlicher rein technisch ablehnen, da mit zu machen, aberin der Regel sind die Erwartungen der Familie, die versprochenen Geschenke und Aussagen wie "ohne Firmung darfst du später nicht in der Kirche heiraten" zu stark.

- Abendmahl. Auch hier wird nicht zugelassen, wer wirklich glaubt, sondern wer formal Mitglied der Kirche ist. Da hab ich meine Probleme mit.

- Riten. Es wird so viel nur runtergerattert, es werden so viele Handlungen vollzogen, die eigentlich völlig entleert sind. Es sind genau die rituellen Opfer- oder um-Gande-bitt-Riten, die Gott in der Bibel verurteilt

- Bitte für Tote / Das Bild übers Fegefeuer. Dass es noch einen Unterschied macht, ob wir jetzt für einen Toten beten oder nicht (sprich, ob sie dann mehr Gnade erhalten) ist völlig unbiblisch und entwertet den Opfertod Christi...



Ja, soviel mal für heute. Vielleicht fällt mir später noch was positives oder negatives ein ;-)

Liebe Grüße!