Hallo Mirjamis
Sicher bekommst du nun viele Antworten, die dir dies bestätigen wollen, dass Jesus dieses Opferlamm sein soll. Aber eigentlich kennst du die ja selber.
Johannes der Täufer meint hier eine Offenbarung zu haben, und doch stellt er später in Frage, ob nun Jesus der ist, der da kommen soll. So stellt Johannes der Täufer seine Erwartung in Jesus später in Frage, weil nicht das geschah, was geschehen soll, wenn der Messias da sein wird.
Das Problem der damaligen Zeit war ja in erster Linie die Unterjochung unter die Römer, aber auch das der Nächstenliebe. Der Mensch lebte nicht in Angst oder Unwissen vor Gott, ob er sich ihm annimmt, wenn man sich ihm zuwendet. Dazu auch das Gleichnis Jesu vom Zöllner und Pharisäer im Tempel.
Woher hatte er wohl eine Gotteslamm-Vorstellung, welches der Welt Sünde tragen soll? Es wäre sehr interessant, in welchen Kreisen solche Erwartungen sind, damit man auch die Aussage besser zuordnen kann. Die Tenach verheisst ja eigentlich kein solches Gotteslamm und im Allgemeinen wurde kein stellvertretendes Menschenopfer erwartet.
Das JohannesEv ist ja sehr hellenistisch geprägt, was schon in den ersten Versen des Johannes ersichtlich ist. Es wurde ums Jahr 90-100 geschrieben, wo dieses Denken von Philon von Alexandria schon recht Fuss gefasst hatte, vom Logos. Nur in JohEv der 4 Evangelien wird Jesus als dieses Lamm Gottes bezeichnet. Dass Gott Opfer braucht, damit er versöhnlich gestimmt wird, oder dass etwas stellvertretend dafür das auf sich nehmen muss, ist keine Lehre der Torah und der Propheten. Im Gegenteil, beachtet man die Propheten, so ist das „Opfer“ ein demütiges Herz, also die Zuwendung zum Ewigen. Solche Denkweisen kommen von aussen herein und vermischen sich mit und in der Überlieferung. Dass Gott Sünden im AT nur überdeckt, und nun nur mit dem Blut Jesu rein gewaschen werden kann, ist keine Lehre Jesu. Es braucht da kein Lamm, das uns vor „Gottes Strafe“ schützen soll.
Hier in Joh 1,29 steht für „tragen“ das Wort airo, heben, hochheben, aufheben, auch entfernen; also eine grosse Interpretationsweite und wird auch von den 123 Vorkommen sehr unterschiedlich übersetzt. Als „tragen“ wird es in der Lutherübersetzung gerade mal 8 mal gebraucht. Aber mit Versöhnen hat das Wort nichts zu tun. Wenn von wegnehmen da gesprochen respektive übersetzt wird, widerspiegelt dies eine spätere Lehre, die Jesus nicht so gelehrt hatte und auch keine Basis in der Torah findet.
Dass nun Jesus die Sünde/Verfehlung des Kosmos nicht aufhob oder gar nach Schlachterübersetzung hinweg nimmt, ist nun mal offensichtlich. Ebenso wenig hatte er sein Volk von ihren Verfehlungen errettet, wie es gemäss Mt 1,21 der Maria verheissen war. Sicher hat er sich dafür eingesetzt, wieder besser auf Gottes Recht und Gesetz einzulassen und es in seinem Sinn zu beherzigen. Das griechische Wort für Verfehlung hamartia beschreibt genau diese Verfehlung gegen Gottes Weisungen, welche er ja in der Torah gab.
Der Satz in Joh 1,29 birgt noch weitere Fragen, da er ebenso als Allversöhnung ausgelegt werden könnte: die Sünde der Welt ... dann wäre das Ganzeweltproblem ja gelösst.
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Irgendwie wiederholt sich im NT und besonders dann durch die Kirche genau dasselbe, wie es immer wieder abläuft. Statt ein vertrauensvoller Glaube an den Ewigen und Einzigen Gott, der den Menschen um seines Namens willen liebt, meint der Mensch immer, dass er nur mit Opfer, welche ihn reinigen sollen, vor ihm „erscheinen“ kann oder Genugtuung leisten soll. Nicht dass Gott keine Opfer mag, aber die Meinung, dass Gott nur durch Opfer versöhnlich wird, stimmt nicht.
Dazu Mi 6,6 »Womit soll ich vor JHWH treten, mich beugen vor dem Gott der Höhe? Soll ich vor ihn treten mit Brandopfern, mit einjährigen Kälbern? 7 Wird JHWH Gefallen haben an Tausenden von Widdern, an Zehntausenden von Bächen Öls? Soll ich meinen Erstgeborenen geben für mein Vergehen, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele?« 8 »Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert JHWH von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Gott?«
Lehit
Alef



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