Na sowas! Nachts um zwei, wenn ich alle Vorbereitungen für den morgigen Tag abgeschlossen habe, schaue ich noch mal kurz in unser Gemeindeblatt und finde das:
Die Waffen des Lammes (nach einem jüdischen Märchen)
Als Gott die Welt erschaffen hatte, freute er sich über alle seine Werke. Jedes Wesen hatte seine Bestimmung und alle seine Geschöpfe
lebten fröhlich in ihrer Eigenart. Nur das Lamm lag traurig vor dem Thron Gottes und konnte die Freude der anderen Geschöpfe nicht
teilen. Gott bemerkte das Leid des Lammes und fragte es: „Was fehlt dir, dass du so traurig und niedergeschlagen bist?“ „Ach, mein
Gott,“ antwortete das Lamm seufzend, „wie kann ich vergnügt und fröhlich sein, wenn ich schwach und hilflos bin. Warum bin ich so
anders unter deinen Geschöpfen? Spitze Hörner und scharfe Klauen, kräftige Rüssel und giftige Zähne, schnelle Beine und breite
Flügel haben andere Tiere. Sie alle können sich retten durch Klettern und Laufen, Fliegen und Tauchen, Beißen und Stechen, Fangen
und Rauben. Aber ich bin wehrlos in der großen Welt der Willkür meiner Feinde ausgesetzt.“ Gott hörte das Klagen des Lammes und
gab ihm Recht: „Ich überlasse dir die Wahl. Möchtest du lieber Krallen, Nägel, scharfe Zähne, ein Geweih, einen Rüssel, Flügel oder
Flossen?“ Da bekam das Lamm Angst: „Ach nein, mein Gott. Solche gefährlichen Waffen möchte ich nicht. Gibt es nicht noch andere,
bessere Waffen mit denen ich das Böse und den Feind überwinden kann?“ Da sprach Gott zum Lamm: „O ja, die gibt es gewiss. Ich
gebe dir hiermit die besten Waffen, mit deren Hilfe du alles überwinden und besiegen kannst. Ich gebe dir meine wertvollsten Gaben,
nämlich Sanftmut, Hingabe und Geduld.“



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