@firefly: Also das würde mich nun schon interessieren, wie du Johannes betrachtest, zudem ich hier nicht die christliche Sichtweise auf Johannes vertrete, sondern nur meine persönliche. Und wenn du sagst, dass es da zwischen deiner und meiner Sichtweise Unterschiede gibt, liegt ja eventuell deine Sichtweise auf Johannes viel näher an der "klassischen christlichen Vorstellung", als meine?

LG
Provisorium

Edit: Nur zur Ergänzung und damit ich nicht falsch verstanden werde. Ich betrachte Johannes zwar in der Tat als weltverneinenden und regelrecht verzweifelten Menschen, aber das heißt nicht, dass ich Johannes als negativ oder als Negativbeispiel betrachte. Er symbolisiert für mich im Gegenteil einen sehr guten, sehr bemühten und aufrichtigen Menschen, der Gott wirklich und von ganzem Herzen liebt und deshalb auch nicht davor zurückschreckt, die Annehmlichkeiten des Lebens hintenan zu stellen und ein sehr asketisches Leben zur Ehre Gottes zu leben.

Aber konzentriert ist er eben auf seine Bußfertigkeit und die steht immer und notwendig in einem Verhältnis zu einem persönlichen Schuldbewusstsein. Ich habe mit Menschen gearbeitet, die aus diesem Schuldbewusstsein nicht mehr herauskamen. Versündigungswahn nennt sich das dann in der Psychatrie. Spätestens dann sind die Menschen wirklich völlig verzweifelt, weshalb für mich persönlich Sünde immer im Kontext von Schuldbewusstsein und in der Folge eben auch mit Verzweiflung betrachtet wird.

Der Unterschied zwischen Johannes und Jesus liegt nun für mich eben darin, dass sich für Jesus der Himmel (die Welt) öffnet, weil ihm bewusst wird, dass Gott ihn bedingungslos(!) liebt. Es muss also
kein Weltverzicht geübt, keine besondere Bußleistung erbracht und kein Gelübde geleistet werden, um Gottes Liebe teilhaftig zu sein. Das bringt für mich persönlich Jesus im Gegensatz zu Johannes zum Ausdruck!