Hallo Digido,
von unserem Austausch war ich doch sehr enttäuscht, weil ich mir nicht erklären konnte (und kann), wie wir so aneinander vorbeireden. Da ich Dich aber bei Meister Eckehardt in guten Händen weiß und annehme, dass Du auch lieber ein Lebemeister als ein Lehrmeister sein möchtest, wollte ich vorschlagen, dass wir unsere Diskussion zu diesem Thema beenden.
Ich denke wir gehen hinsichtlich dieses Themas vielleicht von zu stark unterschiedlichen Vorstellungen aus, wann Gott für uns ein Gott sein kann und wann nicht, dass wir da tatsächlich Gefahr laufen, aneinander vorbei zu reden? Ich gebe auch gerne zu, dass ich diesbezüglich wirklich kompliziert bin und schwer zu verstehen, weshalb du nicht enttäuscht sein solltest, wenn sich bei dir der Eindruck einstellt, dass meine Ausführungen nicht den Punkt treffen, den du gerne getroffen sähest. Vielleicht bist du ja aber auch auf positive Weise ent-täuscht worden und täuschst dich in Zukunft nicht mehr, hinsichtlich deiner Erwartung, das Provisorium könnte sich sowas wie "lehrmeisterlich" verständlich machen. Das kann es nicht....:-)
Gott als der "unbewegte Beweger" kann ganz gewiss nicht naturwissenschaftlich entthront werden, da der materiellen Forschung nur das physikalisch Raum-Zeitliche zugänglich ist. Philosophisch kann aber unmöglich Raum-Zeitliches aus sich selbst entstanden sein, sondern nur aus dem Ewigen. Mit dem Urknall verweist eigentlich die materielle Wissenschaft auf einen immateriellen Beginn, also auf Gott.
Interessanterweise habe ich vor kurzem einen Physiker zu diesem Thema sprechen hören und der meinte, dass es tatsächlich etwas Ewiges geben muss, das schon immer da war und nannte dann die Materie. Dabei wird sich dann die gesamte Materie des Universums vor dem Urknall als so stark "komprimiert" vorgestellt, dass sie nur noch die Größe eines Atomkerns hätte. In diesem subatomaren, unfassbar energiereichen "Dingens" kam es dann zu einer Quantenfluktuation und....BÄNG!
Damit ist alles Materielle in das Nichtmaterielle eingebunden und diesem untergeordnet. Aus diesem Grund ist uns Gott näher als wir uns selbst sind. Da gibt es keine andere Barriere zwischen ihm und uns als unsere Verstrickungen in die Inhalte dieser Welt und dem dadurch fehlenden klaren Blick auf die Realität.
Wenn Gott ewig ist, woran kein Zweifel besteht, dann ist er auch vollkommen und dann ruht er auch in ewigem Frieden in sich. Dann ist er ein Meer der Liebe und seine Schöpfung vollkommen. Er muss also überhaupt nicht eingreifen, um etwas zu verbessern.
Ich frage mich was dich da so sicher macht, dass das Nichtmaterielle Gott sei? Ich meine, das Nichtmaterielle könnte doch auch ganz einfach nur Bindungsenergie sein, die die Materie zu atomaren Teilchen "formt".
Begriffe wie "Vollkommenheit", "ewiger Frieden" und "Meer der Liebe" deuten aber doch auf sowas wie einen uns Menschen zugewandten Gott hin. Also Gott müsste dann doch mehr sein, als emotionslose, teilchenformende Energie. Ich kann mir Frieden und Liebe jedenfalls nur schwer ohne Emotion vorstellen.
Und was das Eingreifen Gottes betrifft, finde ich persönlich, dass das angesichts der Lebensfeindlichkeit des uns umgebenden Universums unbedingt notwendig ist. Ich meine, unser Planet Erde ist verglichen mit dem Maßstab des beobachtbaren Universums extremst winzig, aber nur auf dieser Insel können wir Mensch sein. Der Ozean um uns herum ist ja nicht gerade menschenfreundlich....
Dass Gott in jedem Menschen lebt - da alles mit ihm verbunden ist - ist auch die Gewähr gegeben, dass der Mensch durch die Gesetze von Reinkarnation und Karma zur Erlösung aus allem Leid geführt wird: Nämlich indem er erkennt, dass Abhängigkeit von den Objekten der Welt Leid bringt und immer größere Unabhängigkeit von ihnen zu Leidfreiheit ja höchste Seligkeit und Heil führt.
Was macht dich da so sicher? Wenn Gott für dich alles das ist, was nicht Materie ist, wie kommst du dann auf "Karma" und "Reinkarnation"? Also inwiefern kann denn das Nichtmaterielle ein "Interesse" daran haben, dass ich gutes Karma aufbaue, wenn ich doch immer wieder in einen objektgebundenen, materiellen Körper reinkarniere? Wann und wie findet denn der Lösungsprozess der Abhängigkeit von den Objekten der Welt sein Ende?
LG
Provisorium
Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)
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