Ich glaube, hier verlangst du von den damaligen Menschen zuviel. Eine fundierte medizinische Begründung konnte damals weder jemand geben noch jemand anderes verstehen. Krankheiten und Heilungen (oder auch das Ausbleiben der Heilung) wurden unmittelbar auf göttliches Handeln zurückgeführt. Also hat es sogar eine gewisse Logik, vorbeugende Maßnahmen, die man als wirksam erkannt hat, als Gottesgebot zu formulieren: "Wenn du dies und das tust, ist Gott mit dir, und du wirst lange leben und viele Kinder haben." Das musste man nicht verstehen, das musste man einfach nur befolgen.
Übrigens galt das nicht nur in israelitischer Zeit. Aderlass und Beten waren die anerkannten Therapien für alles bis zum ausgehenden Mittelalter, und in manchen christlichen Gemeinschaften gilt Krankheit bis heute als Zeichen von Gottesferne und mangelhaftem Glauben.
Aber auch unter "uns aufgeklärten Menschen": Verstehst du die Wirkungsweise von jedem Medikament, das du einnimmst? Ich weiß, was gegen Kopfweh wirkt und was ich auf kleine Schnittwunden draufschmiere, aber warum das hilft, davon hab ich doch keine Ahnung. Das könnte genausogut göttliche Wundersalbe sein. Der Unterschied zu früher ist: Früher kamen die Anweisungen vom Priester oder vom Schamanen, heute kommen sie vom Arzt.




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