Hallo Merav, hallo Sawi
Nun wie ich schon geschrieben habe, seid ihr das einzige Volk gewesen, das vorbehaltos ja zur Torah gesagt hat. Und sicher dürft ihr diese Aussagen für euch selbst beanspruchen.Wenn man sich die Torah mal durchliest, wird doch klar, dass sie nur für das Volk Israel bestimmt ist. Es wiederhölt sich ständig die Aussage "denn ich bin euer Herr, der euch geführt hat aus Ägyptenland" (so oder so ähnlich) und ich wüsste nicht, dass da Heiden, Christen oder sonstwas dabei gewesen wären.
Übers Ganze gesehen gebe ich dir recht, mache dich aber aufmerksam auf ein kleines Detail, dass da auch sehr viel Mischvolk aus Ägypten mit auszog. Und Mosche selbst hatte ja auch eine Midianiterin und auch eine Kuschiterin als Frau genommen. Und über alle Zeiten hinweg liess es Gott immer wieder zu, dass gottesfürchtige Menschen in euren Stammbaum eingebunden wurden oder durch ein vorbildliches Zeugnis eines Mädchens in der Gefangenschaft Naaman zum Glauben an den Ewigen Israels kam. Der aber sicher nicht konvertierte im heutigen Sinne.
Nun eine Verpflichtung ist normalerweise dazu da, dass man sie auch einhält. Aber bitte versteht mich nicht falsch, ich will damit Sawi in keiner Weise angreifen. Aber wenn man etwas als wichtig erachtet, bedarf es doch einer Ausübung dessen? Oder darf man etwas, was man hochschätzt einfach nach Belieben tun oder ignorieren? Dies war auch der eigentlich Grund für meinen Beitrag.Ob Sawelij sie nun einhält oder nicht, ändert doch nichts an der Tatsache dass die Mitzwot nur verpflichtend für die Juden waren.
Nun wenn es aus jüdischer Sicht nicht verpflichtend ist, heisst das noch lange nicht, dass Christen von ihrer Seite her gewisse Dinge nicht auch als bestimmend ansehen und daran wirst du kaum was ändern können und sich darüber zu ärgern lohnt sich schon gar nicht.Achtung, es steht jedem frei sich an die Mitzwot zu halten, wenn er das Bedürfnis danach spürt, auch Nichtjuden. Aber es ist eine absolut falsche Darstellung, die Einhaltung der Mitzwot für Nichtjuden als verpflichtend hinzustellen. Verpflichtend ist sie ausschließlich für Juden, für alle anderen ist es eine freiwillige Angelegenheit.
Vielleicht wäre es ja auch ganz gut, wenn man mehr nach den Beweggründen fragen würde, weshalb Christen und auch andere dieses oder jenes tun, was ihr aus eurer Sicht nur schwer verstehen könnt.
Weißt du Merav ich kann euch wirklich in vielem ganz gut verstehen, wenn ich ab und zu sehe, was da für Ersetzungstheologien immer noch herumgeistern.
Nun viele dieser Aussagen sind wohl aus Reaktionen ungerechter Handlungen durch die Völker entstanden. Und das tut mir auch sehr leid. Aber ob Hass je eine gute Frucht bewirkte?Rabbi Jochanan hatte deshalb so einen Hass bekommen, dass er folgende Aussage dazu traf: ...
Nun auch eine solche Einschränkung ist auch wieder durch einen Menschen gemacht worden und ich finde es ehrlich gesagt nicht in Ordnung, wenn man für die andern Regeln aufstellen will. So finde ich es genauso daneben, wenn die Christen sagen, wie ihr euren Glauben leben müsst oder über welche Dinge ihr euch Gedanken machen dürft und worüber nicht. Nun, wer gibt jemanden das Recht so was zu verlangen? Es braucht meines Erachtens viel mehr Verständnis von jeder Seite her den andern so anzunehmen wie er ist!R. Meir sagte im Gegensatz dazu aber: "Woher, dass selbst ein Nichtjude, der sich mit der Tora befasst, dem Hochpriester gleiche? Es heißt: der Mensch, der nach ihnen handelt, wird durch sie leben; es heißt nicht: Priester, Leviten und Israeliten, sondern: der Mensch, dies lehrt dich, dass selbst ein Nichtjude, der sich mit der Tora befasst, dem Hochpriester gleiche!?“ Er fügt aber hinzu: „Dies bezieht sich auf (das Studium) ihrer sieben Gesetze.“
Nun ich kenne einige Leute, die ganz gerne wen hätten, der sie lehren würde, aber ohne gleich konvertieren zu müssen. Und ich glaube es geht dieser Art Leute weniger darum eine neue Religion zu konstruieren, sondern schlichtweg um ein besseres Verständnis der Torah, womit ein Grossteil der Christen in der Regel eh nicht viel anzufangen weiss.Zusammenfassend ist es also für Nichtjuden erlaubt, von vielen sogar erwünscht, dass sie die Torah studieren, aber unter der Bedingung, dass sie wenn möglich einen jüdischen Gelehrten zu Rate ziehen, damit nicht wie im Falle des Christentums, eine neu konstruierte Religion daraus entsteht.
Zum Schluss noch ein kleiner Gedanke zum Argumentieren hier:
Wenn ich das Herz meiner Zuhörer erreichen möchte, wenn ich möchte, dass man auf mich hört sollte ich versuchen ihm zuerst mal Freund zu sein, sonst prallen meine Worte ungehört ab und ich baue immer grössere Mauern auf. Denn wie nahe liegen Liebe und Hass zusammen. Dies ist jedenfalls mein Sinn.
liebe Grüsse



Zitieren


Lesezeichen