Rabbi Uri aus Strelisk erzählte:
Als ich im Cheder bei meinem Lehrer das Lesen des Siddur, des Gebetbuchs, lernte, erklärte mir mein Rabbi, daß die zwei winzigen Buchstaben «Jud» יי , die wie viereckige Pünktchen aussehen, wenn sie nebeneinander stehen, das Monogramm des göttlichen Namens bilden. Wo immer ich diese kleinen viereckigen Pünktchen sähe, sollte ich den göttlichen Namen aussprechen.
Bald darauf bemerkte ich viereckige Doppelpunkte, die nicht nebeneinander, sondern untereinander standen. In meiner Naivität habe ich sie als Gottesnamen ausgesprochen.
«Nein, nein, lieber Uri», lehrte mich mein Rabbi, «diese Punkte sind nicht der Gottesname. Du sollst wissen, wo zwei Pünktchen im Siddur nebeneinander stehen und einer dem anderen gleicht, d.h. Juden als gleich nebeneinander stehen, dort ist der Name Gottes. Wo aber einer unter dem anderen ist und einer sich über den anderen erhebt, dort ist der Name Gottes nicht.»

aus: Rabbinische Weisheiten zu den Sprüchen der Väter


Alef