Ich komme aus einer russlanddeutschen mennonitisch-baptistischen Familie. Wir wurden aber nicht strengreligiös erzogen. Erst als ich aus dem Militärdienst kam, wollten meine Eltern, daß ich zur Kirche gehe. Aber da wollte ich nicht. Und ich hab geraucht und gesoffen wie es in Russland so üblich war.

Mein Hobby war Lesen. Ich hab viel und verschiedenes gelesen. Hab versucht auch die Bibel zu lesen, aber sie war ein ziemlich unverständiges und langweiliges Buch. Aber ich hab zu Gott gesagt, wenn es ihn gibt, dann sollte er sich doch mir offenbaren.

Obwohl ich ab und zu den Gottesdienst besuchte, konnte ich kaum abwarten bis er zu Ende war. Auf mich "warteten" meine Freunde, meine Saufkumpanen. Da ging mein Leben ab.

Dann, nach einer Magenoperation, wurde mir vom Artz gesagt: wenn du leben willst, dann hör mit dem Saufen und dem Rauchen auf. Nun ja, ich war 24. Natürlich wollte ich leben.

Jetzt konnte ich ruhig im Gottesdienst sitzen.

Dann kam mir der Gedanke, ich wollte Gott kennenlernen. Ich nahm wieder die Bibel und las sie etwa in einem Monat durch.
Ich weiß nicht wie und wann, aber mit einmal wurde Jesus für mich zu einer lebendigen Person, eine neue Welt öffnete sich mir und ich wurde ein anderer Mensch.
Wenn ich über Jesus nachdachte, schwebte ich über den Wolken.

Aber dann kam mir der Gedanke: gut, Jesus hat es gemacht, aber was nützt es dir, du hast noch keine Busse getan. Plums, war ich auf dem Boden.

Da ich aber keine wirkliche Reue über mein früheres Leben empfand, betete ich zu Gott, er möge mir doch den Geist der Busse geben. Aber es blieb aus.

Wer das Bild "Ivan der Schrekliche tötet seinen Sohn" gesehen hat, der wird verstehen was ich unter Reue meine. Der Ausduck im Gesicht von Ivan des Schrecklichen: wenn er doch nur die Zeit zurückdrehen konnte!

Wie dem auch sei, mehr als nach einem Jahr hab ich mich dann zu einem lauten Gebet im Gottesdienst überwunden, was als Busse bewertet wurde.
Dann lies ich mich taufen.

Aber, da ich erst die Bibel durchgelesen habe und dann in die Gemeinde reinkam, hab ich von Anfang an Wiedersprüche zwischen dem geschriebenen Wort Gottes und der Praktik in der Gemeinde gesehen. Was ich dann auch ansprach. Es brachte aber nicht viel.

Dann, etwa nach 7-8 Jahren kam mir das Buch von Watschman Nee "Das normale Christenleben" in die Hände. Sie öffnete mir die Augen darauf, daß nicht nur die Praktik, sondern auch die baptistische Lehre mit dem Wort Gottes nicht übereinstimmt.

Nach dem ich nach Deutschland kam, hab ich mich auch mit anderen Kirchen (katholische, evangelische, neuapostolische, syrisch-ortodoxe) bekannt gemacht, und über sie gelesen. Aber ich fand nirgens ein Zuhause. Alle benutzen zwar die Bibel, forschen aber nicht wirklich darin.

Weiter - mehr. Je weiter ich mich von der Religion enfernte, und je mehr ich mich von den Traditionen befreite, desto mehr offenbarte Gott mir aus seinem Wort. Und zwar Sachen, von denen die Kirchen nicht mal zu träumen wagen.

So ist für mich die Bibel, als das Wort Gottes, die höchste Autorität.
Aber nicht die traditionele Interpretation, von der Dogmatik ganz zu schweigen.