So recht kann ja heutzutage - wie es scheint - kaum jemand wirklich etwas mit diesem Thema anfangen; es geht aber übereinstimmend um "Verzicht" und "Rückbesinnung", und - da die 'Nahrung' heutzutage einen anderen Stellenwert hat als früher - um eine "zeitgemässe Umdeutung".
Ich finde es schade, dass dabei an dem angesetzt wird, was als "nicht mehr zeitgemäss" betrachtet wird, statt auf das "Bleibende" zu sehen und eher zu fragen: "Was verstellt uns heutzutage denn den Blick darauf" - wo doch die Sorge um "unser täglich Brot" zumindest in unserer Überflussgesellschaft nicht mehr 'das Thema' ist, um das unserer Gedanken und unser alltägliches Bemühen kreisen.
Anders gefragt: "Was hindert uns daran, dem 'Ideal der Bergpredigt' gemäss "nicht zu sorgen", sondern einfach zu empfangen wie die "Vögel unter dem Himmel" oder die "Blume auf dem Felde" in einem Geist, der offen und frei ist, wie der eines kleinen Kindes?"
Ich meine jetzt natürlich nicht, dass wir alle aufhören sollten zu arbeiten und für unsere Familien zu sorgen - so wie das etwa in manchen urchristlichen Gemeinden passiert ist und heftig in den Pastoralbriefen angeprangert wurde.
Aber wir neigen doch weitaus mehr zur gegensätzlichen Haltung, die im Extremfall nicht zu 'gesteigerter Leistungsfähigkeit' führt, sondern eher den Blick verstellt und lähmt - nach dem Motto: "Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen..."(Ps 127)
Dh ich vertraue auf Gott, will aber eigentlich doch so weit wie möglich unabhängig sein von ihm - zumindest insofern es meine 'weltliche' Existenz betrifft. Ich sichere mich ab durch ein 'Netz' und 'doppelten Boden' und mache mir Sorgen darum, wie ich meine 'Extstenz' - meinen 'Wohlstand' und 'Status' - erhalten und meine 'Schäfchen ins Trockene' bringen kann; wie ich nicht nur vor Gott 'gut dastehe', sondern auch allen von weltlicher Seite an mich herangetragenen Anforderungen aus eigener Kraft gerecht werden kann und vor meinen Mitmenschen als "erfolgreich" dastehe. Das führt in das typische Gefühl des hin und her gerissen Seins und immer wieder auf die Frage der eigenen, christlichen 'Identität' und wie sie 'in der Welt' gelebt werden kann.
"Niemand kann 2 Herren dienen" und "Dort, wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz."
Die Sorge (nicht "für" etwas sondern) "um" die Erhaltung und den Ausbau all dessen, was ich erreicht habe, ist wie ein "Sauerteig", der mein ganzes Denken und Fühlen durchdringt und die 'christliche Sicht' auf die Welt kommt nur 'im stillen Kämmerlein' oder in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu Tragen, kann sich aber in meiner weltlichen Existenz nur schwer gegen mein "ganz durchsäuertes" Wesen durchsetzen. Das ist jetzt nicht unbedingt 'die ganze Schlechtigkeit der Welt', aber es ist eine Perspektive, auf der meine 'weltliche Identität' gründet und die im Grunde unvereinbar ist mit meinem Verständnis der neuen Identität, zu der mich Christus befreit hat.
"´Macht es daher so, wie man es vor dem Passafest macht:` Entfernt den alten, durchsäuerten Teig, damit ihr wieder das werdet, was ihr doch schon seid – ein frischer, ungesäuerter Teig ´Ihr seid es,` weil der geopfert wurde, der unser Passalamm ist: Christus. Deshalb wollen wir nicht mit dem alten, durchsäuerten Teig feiern, dem Sauerteig der Bosheit und der Schlechtigkeit, sondern mit dem ungesäuerten Brot der Reinheit und der Wahrheit. 1. Kor 5,7-8"
Darüber haben sich auch schon andere Gedanken gemacht:
Man muss im Leben Verantwortung für diesen Reinigungsprozess übernehmen. Es geschieht nicht von alleine oder automatisch. Jemand muss die Entscheidung treffen und Hand anlegen, damit der „Frühjahrsputz“ beginnt.
...
Den alten Sauerteig ausfegen ...
Was könnte für dich alter Sauerteig sein, der dich nicht mehr beschweren soll und den du deshalb ausfegen sollst?
http://www.czd.de/index.php?option=c...blog&Itemid=54
Für mich bedeutet diese Art "Frühjahrsputz-Fasten" nicht, die Augen vor allem Negativen und den Problemen der Welt zu verschliessen, sondern gerade angesichts dessen, das mir Sorgen machen und mein ganzes Fühlen und Denker durchdringen will eine Perspektive einzunehmen wie sie bspw in Psalm 23 zum Ausdruck kommt: Mich mehr auf "den mir bereiteten Tisch" zu konzentrieren - im "Angesicht meiner Feinde" (= alles, was meinem Glück und meiner Zufriedenheit entgegen steht, einschliesslich der 'Feinde' in mir selbst). Dabei nicht vor allem Negativen die Augen verschliessen, sondern ihnen offen "ins Angesicht" zu sehen, ohne mir von ihnen den Appetit verderben zu lassen - dadurch dass ich mir die ganze Zeit über Sorgen mache, zB wie ich sie am besten besiege und den reich gedeckten Tisch vor ihrem Zugriff schütze. Und zwar nicht, weil ich 'so tüchtig' bin, sondern weil Er "mein Haupt gesalbt" hat, dh mich zum 'Herrscher' über sie eingesetzt hat, damit ich souverän und (be)frei(t) damit umgehen kann.
Der Verzicht betrifft konkret das gedankliche 'Netz und doppelten Boden', - und je mehr ich hier 'ausfege', um so mehr entdecke ich, wie tief sich die 'Säure' doch schon überall festgesetzt hat.
Also eigentlich ein 'Gedankenfasten', ein 'Zurecht-Rücken' meiner Perspektive, wenn ich wieder einmal feststelle, in welchen alten Bahnen sie sich doch wieder bewegt - und die frei werdende Zeit und Energie, die ich sonst in die Sorgen investieren würde, nun wirklich positiv zu nutzen.
Also kein Verzicht um des Verzichtens willen, sozusagen als 'Selbstzweck', sondern einen Verzicht auf das, wovon ich ich gerne mein 'Ego' nähre und das mich daran hindert, mich am reich gedeckten Tisch zu laben, der für mich bereit steht; meine bereits übervollen Hände zu leeren, damit ich wieder empfangen kann.
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