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Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Hallo Isaak

    Hier auch ein Zwischenposting, da ich momentan auch nicht weiss wie ich Judas einordnen könnte. Dafür haben mich deine Zeilen an Fischi sehr beschäftigt.

    Sicher verstehe ich eine noch christliche und noch nicht jüdische Verstehensweisen, welche möglicherweise einem, wie soll ich es umschreiben, (neuen) Reformweg beschreiten, noch weniger, als die mir bekannteren und von mir versucht zu verstehenden christlichen Verstehensweisen.
    Nun als jemand, der sich wegbewegt vom christlichen Glauben suche ich die spirituellen Hintergründe und möchte ja nicht einfach einen andern Glauben oder irgendwelche Traditionen kopieren. Vielleicht ist dies auch ein Unterschied zu euch jüdischen Menschen, die mit einer gewissen Selbstverständlichkeit sagen können: wir tun und hören, was der Ewige uns befiehlt. Obwohl ich ja auch nicht weiss, wie genau das genommen wird. Jude sein wirkt auf mich eher als Identität oder anders gesagt als Zugehörigkeit zu eurem Volk.

    Nun so finde ich das Annähern ans Judentum eigentlich was vom Normalsten, immerhin habe ich die Tenach schon immer als Teil, von dem angesehen, was auch zu meinem Leben gehört hat, auch wenn sich die Sicht der Dinge enorm verändert hat.

    Ein anderer Punkt wäre noch, dass manche Juden uns auch nicht gerne zugestehen, wenn wir gewisse Dinge übernehmen, die sie pflegen, angefangen schon beim Shabbat oder den Gebeten. Da sehe ich auch keine wirkliche Lösung, wäre aber froh, wenn da mehr Offenheit möglich wäre. Verstehe aber auch, wenn euch gewisse Dinge stören.

    In diesem Sinn rief ich quasi Tochter Zion an und hätte so gerne Teil an ihre Erinnerung an Judas Iskarijot und Jesus, aber sie schweigt, auf jüdischer Seite und nur aus christlicher Ferne höre ich dies und das. Und der Auszug aus Ägypten hat für uns mindestens zwei Teile an Erinnerungen. Der Eine erinnert uns an die zuvor anhaltende Gefangenschaft in Ägypten und diese erinnert uns auch an die heutige Unfreiheit und den Unfrieden Jerusalems. Zum Zweiteren scheinen unsere Erinnerungen des Auszuges aus Ägypten, inklusive der Ankunft in Kanaan, bis hin zur Gründung des Staates Israels, mit all den dazwischenliegenden zerstreuenden und niedergemordeten Geschehnissen und das Erreichte im real existierendem Israel noch nicht so leuchtend und befreiend, so dass der Auszug aus Ägypten zum Gleichnis taugen könnte. Zum Gleichnis einer Chance für Judas, gegenüber einem Auszug aus vielleicht verquertem Glauben zum rechterem Glauben. Scheinbar sind wir Juden zu verblutet, zu verwurzelt und eben nicht so frei wie eben vielleicht Christen sein können, welche sich dem Judentum zuneigen.
    Es fällt mir unsagbar schwer Judas Iskarijot, Jesus und die christliche Erlösertheologie mit der, mir bekannteren, jüdisch messianischen Vorstellung und Interpretation, in Beziehung zu bringen. Es sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn nur Annäherungsversuche, so gut diese auch vielleicht Beabsichtigt sein mögen, unternommen werden und zwar Christliches dem Jüdischen anzunähern oder gar zu reformieren.
    Nun als jemand aus den Gojim findet man auch nicht so leicht Antworten. Zudem steht hinter allem dieses Gefühl der Angst verloren zu gehen und mal in der Hölle zu landen, da es im Christentum ja häufig nur um ewige Verdammnis oder eben Rettung geht. So wurde selbst mir die Erlösungstheologie immer befremdender.

    Aber was, wenn ich nun doch einen falschen Weg eingeschlagen habe? Da kommt unweigerlich die Frage nach dem richtigen Glauben. Wenn man sich vom christlichen Lehrgut löst, ja was ist man dann noch – Mensch oder Ausgestossener??? Ja, diesen neuen Weg zu beschreiten, kostet sehr viel Kraft.

    Du schreibst da etwas zum Auszug aus Ägypten Isaak. Ich frage mich ob ein Auszug aus Ägypten als Bild für falschen oder richtigen Glauben genommen werden kann? Dies wäre für mich so viel wie Schwarz-Weiss-Denken, wie es im Christentum leider zum Teil üblich ist. Dieses richtig oder falsch, kann einen Menschen zerstören. Ich erlebe es heute als befreiend, ruhig den Mittelweg wählen zu dürfen.

    Nun mir scheint, Glaube zu entdecken ist ein lebenslanger Prozess und von mir aus gesehen verändert er sich im Leben. War nicht der Auszug ein Glaubensschritt, wie es ihn schon vorher und auch später wieder gab?

    Dies einfach ein paar Gedanken, und übrigens muss man sich für seine Meinung nicht entschuldigen! Lernt man nicht gerade durch das unterschiedliche Sein von uns Menschen am meisten?

    Ganz liebe Grüsse
    Geändert von anonym003 (07.08.2008 um 21:17 Uhr)

  2. #2
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    Standard

    Hallo Isaak

    Ich sehe, es ist nicht einfach, etwas zu schreiben, was im andern dann Assoziationen aufgrund seiner Gefühle, Erfahrung, Wissen und Erkennen mit andern auslöst, auf dass es so verstanden wird, wie man es meint. So ist es auch wichtig, dass man einander kennen lernt, um zu verstehen, wie man es meint.

    Etwas weniges von mir: Ich wurde im katholischen Erzogen und „bekehrte“ mich dann im Teenageralter, da ich ja Gott lieben wollte und besuchte von da an eine Freikirche, wo ich auch aktiv war. Alles so ganz nach dem damaligen Verständnis und Lehre, denn Informationen gab es ja nicht viele.

    Was mir da schon immer Mühe machte, waren so die Aussagen des Paulus, aber auch besonders Interpretationen und Auslegungen über Israel, so dass man einfach die Verheissungen aus er Tenach nimmt, Worte wie Israel, Jakob oder Ephraim, streicht und es für sich oder die Gemeinde/Kirche interpretiert. Irgendwie konnte ich das nicht nachvollziehen. So holte man sich sämtlichen „Segen“ Israels, aber Strafe und Zurechtweisung wollte man dann doch auf Israel wissen.
    Schliesslich beschäftigte ich mich mehr mit dem jüdischen Glauben, lernte auch einige wenige Worte hebräisch, damit ich in der Tenach nachschauen konnte, was da so in den deutschen Übersetzungen steht. So begann dann ein Umdenken, ganz unbeabsichtigt.

    Tja, und deshalb würde es mir auch schwer fallen, die christliche Erlöser- und Opfertheologie mit dem Jüdischen zu verbinden, weil es gar nicht geht. Da stelle ich eher diese Theologie in Frage.
    Oder aber dann haben die Geschichten da im NT in den Evangelien eine andere Bedeutung und Grundlage, und da man das jüdischen Ursprünge und Bedeutungen gänzlich weglässt, da das Christentum ja nichts mehr mit den Juden gemeinsam haben wollten (man schloss ja im Konzil in Nizäa 325 die „Juden-Christen“ aus, damit man nur die Lehre und das Verstehen der der Heiden-Christen hatte) und immer noch wollen, versteht man sie nur aus der christlichen Theologie.


    So will ich da keinen Zionismus oder weiss ich was proklamieren, oder dass man sich zum Judentum bekehren soll, „hallachisch“ werden, das ist mir ferne, oder ein pseudo-jüdisches Christentum, aber ich wollte für Fisch diese andere Ebene von Zion betonen, welche doch konträr zu Ägypten, der Welt der Zweiheit und der Entwicklung steht. Sicher nicht, dass man meint, dass man Juda (Israel) nach Zion zurückbringen soll. Zion stellt da mehr die Einswerdung vom Menschen mit dem Ewigen dar. Darüber lese ich ja einiges in der jüdischen Literatur.


    Aber das man nicht nur weinen oder trösten muss:
    יד: רָנִּי בַּת־צִיּוֹן־־הָרִיעוּ יִשְׂרָאֵל שִׂמְחִי וְעָלְזִי בְּכָל־לֵב בַּת יְרוּשָׁלִָם׃
    טו: הֵסִיר יְהוָה מִשְׁפָּטַיִךְ פִּנָּה אֹיְבֵךְ מֶלֶךְ יִשְׂרָאֵל יְהוָה בְּקִרְבֵּךְ לֹא־תִירְאִי רָע עוֹד׃

    Zef 3,14 Juble, Tochter Zion, jauchze, Israel! Freue dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! 15 Der HERR hat deine Gerichte weggenommen, deinen Feind weggefegt. Der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte, du wirst kein Unglück mehr sehen. (Elberfelder; mit HERR ist natürlich nicht Jesus gemeint, sondern HaSchem)

    Auch daran glaube ich, ganz "wörtlich", auch wenn ich den Zeitpunkt nicht kenne und will mich mit ihnen freuen (trauere aber auch, was man „Israel“ antut).




    Lehit

    Alef


 

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