Zitat Zitat von Lena
Ich wollte Euch mal fragen, ob Ihr auch diese Erfahrung macht.
Ja und nein, muss ich da sagen. Freilich - allein, wenn man sich die Nachrichten des Tages ansieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass unsere Zivilisation "kurz vor dem Kippen" steht, besonders die zunehmende Gewaltbereitschaft in vielen Lebensbereichen finde ich erschreckend. Jugendliche, wie in England, die einander mit Messern abschlachten - in diesem Jahr bereits 14 allein in London.

Ich bin "Mod" in einem anderen Forum und war schon Mitglied in einigen christlichen und nichtchristlichen Foren. Da fällt mir auf, dass auch die verbale Gewaltbereitschaft zuzunehmen scheint.

Andereseits: ich betreue Jugendliche, die in ihrer Schule Probleme haben aufgrund von vielerlei Faktoren. Kaputte Familie, überlastete Eltern, Arbeitsosigkeit usw. Und bei vielen dieser Jugendlichen scheint mir die Verstocktheit und die "coolness", mit der sie sich umgeben, eine sehr dünne Fassade zu sein. Die Generation ihrer Eltern hingegen ist oft ratlos, hilflos, sieht händeringend zu, wie ihre Kinder im Sumpf versinken und trauen sich nicht - und können es oft auch nicht - beherzt hinzulangen und ihre Kinder auf den richtigen Weg zu stellen.

Und viele solcher Kinder sind inzwischen auch wieder erwachsen und haben Kinder.

Sämtliche Studien dieser Welt laufen ins Leere, weil sie nicht berücksichtigen (können), dass die Gottesferne das große Problem von uns Heutigen ist.

Aber wir können diesen Menschen Gott nicht "predigen" - oder doch nur in seltenen Fällen. Es hilft auch nicht, sie zu "schütteln" - das erleben sie sowieso täglich. Was wir Christen ihnen anbieten können ist Ruhe, Liebe, Zuverlässigkeit und Gehör.

Freilich - die Wahrheit über den Lohn der Sünde dürfen wir ihnen nicht verschweigen. Aber vielleicht müssen wir nicht damit werfen? Ich habe oft mitbekommen, dass Christen sehr dafür sind, den Ungläubigen rigoros und unverblümt die Tatsache vor den Latz zu knallen, dass nur mit der schleunigen Hinkehr zu Jesus Christu ihr Leben geretten werden kann. Dabei verwechseln meiner Ansicht nach diese Christen in ihrer brachialen Frömmigkeit die Pharisäer mit den einfachen Menschen.

Pharisäern sollte man vielleicht so begegnen. Aber dem 15jährigen Jungen, der mir heute hilflos davon berichtet, dass er immer wieder patzig und pampig wird, obwohl er es doch gar nicht will? Oder dem jungen Familienvater, der nicht weiß, wie er das Geld für seine Familie zusammenbekommen soll, weil sein Job trotz 12Stundentag nicht genug einbringt? Der alleinerziehenden Mutter, die Angst hat, dass sie ihr Kind nicht richtig versorgt und man es in eine Pflegefamilie stecken könnte?

"Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken", sagt Jesus. Helfen wir diesen Menschen doch dabei. Nicht jede Aggression können wir überwinden und nicht jede Verstocktheit aufweichen.

Aber einfach jemanden "schnappen", bei dem wir sehen, dass es nötig ist, und anfangen. Gott zeigt uns schon, wie.