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Was bitte soll ein „rein jüdisches Denken“ sein?
Die Messiaserwartungen.

Ich glaube hier liegst du völlig falsch Zeuge. Denn du gehst von einer Textfassung und Inhalt aus, die dem damaligen Juden Jesu gänzlich fremd gewesen sein dürfte. Wie Textforscher deutlich aufgezeigt haben bedient sich Jesus gerade bei diesem Satz einer typischen Lehraussage, die selbst bei den Essenern üblich war.
Richtiger weise muß es heißen: 6.9. So also sollt ihr beten: Unser Vater, du in den Himmeln, geheiligt werde dein heiliger Name. (6.9)
6.10. Dein Königtum soll kommen, getan werden soll dein Wille auf Erden, so wie in den Himmeln er geschieht. (6.10)
"Dein Reich komme" oder "Dein Königtum soll kommen", "Dein Wille geschehe" oder "getan werden soll dein Wille", wo liegt da der Unterschied? Der Sinn ist derselbe.
Das Reich Gottes ist da wo er herrscht, wo auf ihn gehört wird, wo sein Willie geschieht, b.z.w. getan wird.
Wie Gott durch Maleachi sagt:
"Der Sohn ehrt seinen Vater und der Knecht seinen Herrn.
Wenn ich der Vater bin - wo bleibt dann die Ehrerbietung?
Wenn ich der Herr bin - wo bleibt dann die Furcht vor mir?"
(Mal. 1:6)

Der Name Gottes wird geheiligt, wenn der Mensch ihn nicht mehr für böse Taten mißbraucht.
Und das Reich b.z.w. die Herrschaft Gottes kommt, wenn der Mensch auf Gott hört, seinen Wuillen tut. Denn eine Regierung, die vom Volk ignoriert wird, ist keine wirkliche Regierung. Jede Regierung herrscht nur soweit das Volk mitmacht.
Darum ist das Reich Gottes auch inwendig in uns: soweit wir auf Gott hören, seinen Willen tun, soweit herrscht Gott in uns. Denn er herrscht nicht mit Gewalt.
Wenn man aber Gott jede Selbstoffenbarung abspricht, wie es die negative Theologie tut, gibt es nichts mehr woraus der Mensch den Willen Gottes erkennen kann. Und jeder ist sich selbst überlassen. Eben purer Individualismus.
Dazu wurde seinerzeit Israel das Gesetz gegeben, damit im Volk eine einheitliche Meinung entsteht, und nicht jeder nach seinem Gutdünken urteilt.
Seltsamerweise sind die Menschen eher geneigt sich an Gesetze zu halten, die ihnen mit Gewalt aufgezwungen werden, als auf ein Gesetz, das wie ein Rat, b.z.w. Wegweisung gegeben worden ist.
Der Mensch versteht nur die Sprache der Gewalt, weil seine Denkweise gewalttätig ist.
Und auf diesem Weg sucht er eine gerechte Gesellschaft zu errichten. Ein vergebliches Unterfangen.

Das Reich Gottes kann nur durch Verkündigung des Willen Gottes errichtet werden.
"Nicht durch Macht(ergreifung), nicht durch Kraft(Gewalt), allein durch meinen Geist! - spricht der Herr der Heere." (Sach. 4:6)
Und diesen Geist gießt er, laut Sacharia, durch seine zwei Gesalbten aus.
So sind wir wieder bei Jesus, dem ersten Gesalbten.