Das Christentum, welches selbst zunehmend kränkelt und weltweit einen drastischen Rückgang erlebt, weil es zunehmend seine gesellschaftspolitische Rolle und Akzeptanz (insbesondere in den Industrienationen) verliert und zudem auch noch eine wirtschaftlich orientierte Liberalisierung eingeschlagen hat, ist selbst durch seine Integrationsgier zum Einfallstor für andere Religionen geworden, weil es sich dadurch zunehmend selbst aushöhlt. Das alte Integrationsmodell des Christentums, welches noch bis vor hundert Jahren gut funktionierte und mit dem man verschiedenste Kulte und Kulturen mit dem Christentum vereinigen konnte, hat sich selbst überlebt. Die „Farbenvielfalt“ des Christentums lähmt es immer mehr und lässt es zudem in sich zersplittern (Sektiererei). Doch noch ein Punkt zeigt die Schwäche der christlichen Nationen auf, es ist die Hilflosigkeit, mit der man gerade zu dem Islamischen Nationalismus (Ausbreitung des Islam auf andere Nationen) gegenüber steht. Die Abhängigkeit des Westens, wenn auch nur auf Zeit, ist gerade zu lähmend und zeigt deutlich die Prioritäten der Westlichen Nationen auf. Nicht mehr kulturelle Interessen stehen in Vordergrund, sondern Wirtschaftsinteressen. Hier ist man bereit überaus kompromissfreudig zu sein. Das ist eine Folge der Globalisierungsbestrebungen, welche sich nur friedlich abzeichnen kann. Zudem zeigt gerade das Beispiel Irak und Afghanistan deutlich, dass die Zeiten der militärischen Interventionen endgültig vorbei sind. Noch deutlicher wird das gesagte, wenn man bedenkt das gerade Europa mit Sorge auf den taumelnden Riesen USA schaut, der sich zunehmend, als letzte große Weltmacht, verabschiedet. Damit wird ein Vakuum auf dem Weltparkett entstehen, das zur Zeit keine Nation auszufüllen vermag und zugleich die Karten im Weltpolitikpocker neu mischen wird. Das zunehmende Zusammenwachsen Europas und die intensiven Bemühungen der Europäischen, Nordafrikanischen und Vorderasiatischen Nationen sich zu einem gigantischen Staatenkollos zusammenzuschließen, lassen deutlich die Zeichen der Zeit erkennen. Vor unseren Augen entsteht ein Gebilde, dass seines Gleichen nur in der Antike fand und auf gleichen Prämissen beruht.

Dass dabei religiöse Interessen keine Rolle mehr spielen werden, kann man an der neuen europäischen Verfassung, welche noch nicht durchsetzbar ist, ablesen. Doch eins ist auch klar, beide Religionen Islam und Christentum, haben mit ihrem Absolutheitsanspruch in diesem Gebilde keinen historischen Platz, den die Integrationskraft dieses Staatenkollos wird, ähnlich wie in allen Großreichen, neue Wertesysteme und auch Religionssysteme voraussetzen müssen, um es regierbar zu machen. Hier dürfen wir gespannt sein, welche Entwicklungen schon sehr bald offenbar werden. Da sich das Christentum bereits breit gefächert auf einen Konsens mit allen wichtigen Religionen eingestellt hat (bis auf wenige Gruppierungen), und damit schon angefangen hat am selbsterdachten Absolutheitsanspruch zu rütteln, wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann seine substantielle Selbstauflösung in ganzer Bandbreite beginnt. Grundansätze für ein neu überdachtes „Christentum“ gibt es wahrlich mehr als genug, fragt sich nur in wie weit es sich von seinen eigentlichen religiösen Wurzeln noch weiter wegbewegt und in welcher Gestalt es sich neu erfinden wird. Die Kultform des römischen Reiches brauchte dazu ca. 300 Jahre, bis es durch eine neue integrative Kraft (damals das Christentum – im Gegenzug brauchte das Christentum über 300 Jahre um diese Integrationskraft zu erlernen) abgelöst wurde. Ich glaube persönlich, dass es keine 50 Jahre dauern wird, bis wir vor diesem Tatbestand stehen werden und ganz sicher wird auch der Islam, in seiner heutigen Gestalt, kaum noch ein wesentliches Thema und Konkurrent zum Christentum sein. Vielmehr dürfen wir an ein interreligiöses Miteinander denken.

Die globalen Probleme werden die Menschen zwingen, sich zusammenzufinden und gemeinsam, hinweg über alle kulturellen und religiösen Grenzen, nach Lösungsmöglichkeiten zusuchen. Genau hier wird dann die Idee entstehen, welche allen Frieden, Wohlstand und Gleichschritt verheißen wird. Diese „Idee“ wird offensichtlich den Erfolg haben, den es sich wünscht, denn die Menschen haben Angst vor der Zukunft und die Menschen wissen, dass wir uns mit jeden neuen Tag immer näher an den Abgrund unserer Existenz bringen. Die Entwicklung dazu begann mit dem Beginn der Menschheit und eine jede Epoche brachte neue „Fortschritte“ zu dieser Entwicklung und auch der Islam und das Christentum und alle Anderen Kulturen und Systeme auch, waren nur und sind nur Wegbereiter zu diesem Endpunkt. Alle versprachen eine bessere Welt, alle versagten kläglich, trotz ihres Anspruches Besitzer der einzigen Wahrheit und Richtigkeit zu sein. Genau das ist aus religionswissenschaftlicher Sicht immer der Beginn vom Ende einer jeglichen Kultur und Religion, der Selbstanspruch und daraus resultierende Machtwahn. Hier lehrt uns die Geschichte, dass keine Religion, wenn sie diesen Anspruch vertrat überlebensfähig war. Durch ihr Scheitern löste sie sich zunehmend von ihrem Selbstanspruch und wenn dieser militärisch nicht mehr zu verteidigen war, dann folgte die Selbstauflösung in langwierigen und oft sehr schmerzvollen Prozessen. Was dann entstand, war oft etwas „Neues“, dass allerdings an sich, nie wirklich neu war, sondern nur in veränderter Gestalt erneut zum tragen kam.

So lehrt es uns die Geschichte in nüchterner Analyse und wer offenen Auges durch die Religionsgeschichte Europas und Asiens läuft, sieht diese strukturellen Veränderungen längst vergegenwärtigt. Bleibt nur noch offen, in wie weit sich ein jeder selbst in diese Entwicklung integriert. Doch auch hier darf man nüchtern erkennen, wir alle sind längst in den Strudel der kulturellen und wirtschaftlichen Globalisierung gezogen, wir alle profitieren davon und verlieren zugleich. Ursache dafür ist, dass wir alle längst so eng an dieses System gebunden sind und uns damit arrangiert haben, dass wir eigentlich ob widerwillig oder bereitwillig den Entwicklungen folgen werden. Bereitschaft zum Ausstieg aus diesem System hat in Wirklichkeit kaum ein Mensch, dafür haben die Religionssysteme mit ihrem verpflichtenden Obrigkeitsgehorsam längst die Ebene der Bewusstseinsfreiheit entzogen und die Angst vor persönlichen Nachteilen und dem Verzicht auf die üppigen Fressnäpfe der Mamongesellschaft mag niemand offenen Auges riskieren. Denn eigentlich lebt es sich gut in dieser Welt, in der wir leben und wer will schon mit den Verlierern der Globalisierung sein Schicksal teilen.

Deswegen Shomer du magst klagen wie du willst, du magst erkennen was du willst, die Welt in der du lebst erlaubt dir das sogar, man nennt es Freiheit, doch du bist Bestandteil dieser Welt und schon allein dadurch, dass du das Geld des Kaisers nimmst, ihm Steuern zahlst, ihm den Rachen füllst und an der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen deinen Wohlstand hast. Das ist das System und es lebt durch dich und es nährt sich durch dich und es ist ihm egal was du glaubst, solange du ihm seinen Tribut abtrittst. Und dieser Tribut Shomer ist es, der dann zudem führt, was wir auf dieser Erde erleben. ER übt Macht damit aus!

Wie sagte doch so schön zeitlos Kohelet: Was geschehen ist, wird wieder geschehen, / was man getan hat, wird man wieder tun: / Es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: / Sieh dir das an, das ist etwas Neues - / aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.
Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren / und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben / bei denen, die noch später kommen werden.


Samu