Gott zu erkennen, ist vielleicht auch eine Frage wo man sucht, und wie man sucht.
In seiner Predigt zu Matth. 15, 21 erklärt Johannes Tauler, Jesus sei von den Pharisäern und Schriftgelehrten fortgegangen. Für Tauler stehen sie symbolisch für jene, die auf ihr Buchwissen bzw auf ihre nach außen gerichtete Frömmigkeit stolz sind (sie repräsentieren also keine realen Menschen). Beides erscheint ihm nicht als der richtige Weg, den Gottesfunken im Seelengrund zu entflammen. Der Weg zur Gotterkenntnis ist ein anderer.
Wenn wir uns die Evangelien anschauen, finden wir immer wieder Hinweise wie "so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist" (Matth. 6, 6) oder, daß Jesus sich auf einen Berg zurückzog, um zu beten (Lukas 6, 12), um nur zwei Beispiele zu nennen. Diese Zurückgezogenheit spielt immer wieder eine Rolle. Ich folge der Lesart, daß dies ein Hinweis ist, Gott nichtim Außen sondern im Inneren zu suchen. Denn das Kämmerlein, der Berg, die Wüste sind alles Bilder, die ein Alleinsein implizieren, eine Situation, die Innerlichkeit fördert. Wie auch der Ausspruch "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." (Joh. 4, 24).
Insofern stimmt es,
dass sich Gott nicht allein durch Forschen finden und dass sich das Evangelium nicht allein durch Studieren erschließen lässt.