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Hybrid-Darstellung

  1. #1

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    David und Salomo, die großen Könige Israels

    Es schien in den 1960 Jahren eine Weltsensation zu sein, als man verkündete, Salomos Pferdeställe gefunden zu haben. Archäologen aus dieser Zeit möchten heute darauf nicht mehr angesprochen werden, wohl aus dem Wissen heraus, vor lauter Euphorie viele wissenschaftliche Fehler begangen zu haben. Selbst der große israelische Archäologe Yadin, der die „Sensationsfunde“ von Megiddo, Hazor, usw. gemacht hat, erklärte, ich habe mich von den biblischen Berichten leiten und verleiten lassen, ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Welch eine Einsicht!

    Heute weiß man, dass die sog. Ställe aus den Zeiten Ahabs sind und dies ist nicht nur archäologisch belegbar, nein selbst die Assyrer bescheinigten Ahab diese furchteinflößende Streitmacht in Megiddo.

    Seit der Peinlichkeit von Megiddo ist man vorsichtig geworden und schaut sich das Umfeld sehr viel genauer an.

    Um sich an das Thema der Königreiche heranzuwagen gingen israelische Archäologen zu einer ganz neuen Systematik über, nämlich Großflächengrabungen, die extrem Zeitaufwendig und kostenintensiv sind zu meiden und nur punktuell, an der Bibel orientiert, Probegrabungen durchzuführen. Lohnt sich eine Grabungserweiterung durch ausreichend Funde bestätigt, wird diese dann in einer Großflächengrabung getätigt. Der große Vorteil ist, innerhalb kürzester Zeit ein umfassendes Bild über den Zustand von Siedlungen (Bebauung, Baustile, etc) und deren Lebensverhältnisse zu gelangen. Ebenso wichtig war ein ganz neuer Ansatz. Man wollte sich einen Eindruck über die Bevölkerung des Landes verschaffen. Das bedeutet, wer wohnte in den Zeiten dieser Könige wirklich im Land, wie viele Menschen lebten in diesem Land, wo waren die Wirtschaftsmetropolen, was wurde erobert und vernichtet oder aufgebaut, etc, etc.
    Die Fragen an die Archäologen von Seiten der Religionswissenschaften waren unglaublich vielfältig, so Ussishkin (Schüler Yadins und Professor für Archäologie an der Universität Tel Aviv).

    Kurz gefasst kann man folgende Ergebnisse für diese Zeit zusammenstellen:

    - Das Bergland wurde teilweise verlassen und aufgegeben – Einzug in die Ebenen besonders im Norden – Sesshaftwerdung und im Wesentlichen Ende der Hirtengemeinschaft.
    - Die Besiedlungsspuren zeigen, dass in den Zeiten Davids und Salomos höchsten 5000 Menschen im Süden lebten, ca. 45000 im Norden. Israel war noch immer sehr dünn besiedelt.
    Hauptsiedlungsgebiet war der Norden und es lebte dort eine Mischbevölkerung verschiedener Völker.
    - Der Süden war sehr dünn besiedelt und gegenüber dem Norden wirtschaftlich unterentwickelt. Es wurden ausnahmslos ärmliche Dörfer in einfachster Bauweise entdeckt.
    - Jerusalem war im Vergleich zu den Städten im Norden ein größeres Dorf in sehr einfacher Baustruktur. Keinerlei Anzeichen für Palastanlagen konnte bisher in Jerusalem für diese Zeit entdeckt werden und auch keine Spuren einer Tempelanlage. Letzteres wäre erklärbar durch die mehrfachen Zerstörungen Jerusalems.
    - Jerusalems Tempel –laut Beschreibung der Bibel – entspricht exakten Bauvorlagen kanaanitischer Tempelanlagen, die mehrfach in Israel ausgegraben wurden. Archäologen vermuten heute, dass auf dem Tempelberg bereits ein solcher kleiner Tempel stand (Heiligtum von Salem, dass bereits in der Bibel erwähnt wird), der durch die Israeliten erweitert oder umgebaut wurde, um den Kultgegenständen Raum zu schaffen. Die Einrichtung und Gestaltung des Tempels entspricht in ganz wesentlichen Bereichen ägyptischen Tempelvorlagen. Ein kompletter Neubau wird heute ausgeschlossen.
    - Kriegshandlungen zwischen Philistern und Israeliten können anhand zerstörter kleinerer Philistersiedlungen stattgefunden haben.
    - Im Norden hat erstaunlicher Weise – ganz im Gegensatz zu den Darstellungen der Bibel – in den Zeiten Davids und Salomos die Ausbreitung und das Widererstarken kanaanitischer Siedlung stattgefunden. Größere kanaanitische Stadtsiedlungen entstanden genau in ihrer Epoche.
    - Die große Mehrheit der Israeliten oder richtiger Proto-Israeliten lebt in Dorfgemeinschaften und kanaanitischen Stadtsiedlungen. In diesen kanaanitischen Stadtsiedlungen sind keinerlei Kriegshandlungen auszumachen. Man geht von einem friedlichen Miteinander aus.
    - Vielzahl an Kultstätten (Naturheiligtümer) im ganzen Land
    - Kriegszüge im Norden sind nicht belegbar.


    Schaut man sich den Grabungsbefund an, so wird man unweigerlich an 1. Kön. 10/27 erinnert: „Und der König machte das Silber in Jerusalem [an Menge] den Steinen gleich, und die Zedern machte er an Menge den Maulbeerfeigenbäumen gleich, die in der Niederung [wachsen].“ Es fragt sich, woher dieses Silber kam und vor allem, wo ging es hin? Zumindest lassen die archäologischen Ausgrabungen weder auf sagenhaften Reichtum noch auf königliche Größe schließen. Das ist der nüchterne Tatbestand, der ganz besonders an Teilen der ausgegrabenen Davidsstadt in Jerusalem deutlich wird. An dessen Ärmlichkeit hat sich auch zu Salomons Zeiten nichts geändert.

    An der Geschichtlichkeit eines David oder Salomon wird heute nicht mehr gezweifelt aber auch hier an der Geschichtlichkeit der Geschichten. Denn der Archäologie zeigte sich ein ganz anderes Bild.
    Es scheint kein Widerspruch zu sein, dass sich das Volk Israel eine Monarchie zulegte, denn die Zeit nötigte gerade zu Israel seine Kräfte zu bündeln, nämlich gegen die Philister, die sich zunehmend der fruchtbaren Ebenen bemächtigten. Anhand von Ausgrabung von Philisterstädten, dürfte der Kampf Davids mit einer äußerst primitiv bewaffneten Kampftruppe, nur schwerlich zu schaffen gewesen sein. Es scheint mehr als offensichtlich zu sein, dass ihm seine Landsleute die Kanaaniter massiv mit Kriegsleuten und Waffen geholfen haben. Das ergeben zumindest die Auswertungen verschiedener Kampfgebiete (Siedlungen) bei den Philistern. Noch ein weiterer Grund spricht dafür, es ist das friedliche Zusammenleben von Kanaanitern und Proto-Israeliten, die noch immer eine Volksgemeinschaft bildeten, jedoch mit verschiedenen Kultformen (z.B. eigene Priester) aber gleichem Gottesbildern. Besonders letzten Fakt bestätigen die zahlreichen Naturheiligtümer, die sich nicht von kanaanitischen Kultanlagen unterscheiden und besonders in Proto-Israelischen Neuansiedlungen gebaut wurden.
    Es mag aus der Rückerinnerung der Schreiber der biblischen Geschichten als Götzendienst angesehen werden, was unter David und zu den Zeiten Salomons unter den Proto-Israeliten an Kultgewohnheiten praktiziert wurde und letztlich wird Salomon dafür auch verantwortlich gemacht (1. Kön. 11). Die Autoren schreiben aus einer Rückschau und haben eventuell nicht mehr gewusst, dass die Proto-Israeliten nur das taten, was sie mindestens tausende Jahre zuvor auch taten. Ihnen war weder eine Tora bekannt noch besaßen sie anderweitig ausgefeilte Religionskodexe. All das kommt erst im 7. Jahrhundert. Sie waren mehrheitlich Analphabeten, die in einfachen Dörfern lebten und kaum aus den Grenzen dieser archaischen Gesellschaft ausbrechen konnten.
    Nimmt man die Bibel und sucht nach Spuren der heutigen archäologischen Erforschung Israels, dann muß man den Blick von den großen Zentralgestalten weglenken und zwischen den Zeilen suchen um fündig zu werden. Hier wird man dann fündig und findet die Bestätigung der archäologischen Ergebnisse. So finden wir im Buch der Richter den Hinweis, dass die angeblichen Versuche zur Säuberung in der Nordhälfte fehlgeschlagen sein sollen, und es soll kanaanäische Enklaven gegeben haben und aus diesem Grund, dass die Andersgläubigen in der Nordhälfte nicht vernichtet wurden, soll später das abgespaltene Nordreich Israel vernichtet worden sein, und das angebliche spätere Südreich Juda soll als "besseres" Reich gegolten haben, weil im Norden sich die Kanaanäer mit den jüdischen Stämmen vermischt haben, und dies soll die Sünde sein, die später zur Fremdbesetzung des nördlichen Teils führte (siehe z.B. Richter 1,21; 1,27-35 ff).

    Ein Tatbestand erscheint besonders den Archäologen und Religionswissenschaftlern als äußerst seltsam. Folgt man den Ausführungen der Königsgeschichte und dem Buch der Richter, so erscheinen die Nordstämme als äußerst götzendienerische Völker, die sogar von Salomo und später Rehabeam mit schweren Joch belegt wurden. Doch wenn man sich den Befund der Ausgrabungen im südlichen Israel anschaut, so widersprechen die biblischen Schilderungen den archäologischen Tatsachen. Der Süden war ärmlich und sehr dünn besiedelt und auch die Behauptung, es gäbe im Süden keine Kanaaniter, ja nicht einmal eine kanaanitisches Weib mehr, was geheiratet werden könnte (Richter) ist schlichtweg falsch. Fakt ist, es gab sie, wenige, aber es gab sie wie zweifelsfrei belegt werden konnte und das noch lange Zeit. Ein realistisches Bild der eigentlichen Machtverhältnisse wird ganz nebenbei in 2. Könige 14,9 realistisch beschrieben: Juda ist die "Distel auf dem Libanon", Israel ist die "Zeder auf dem Libanon".

    Bibelhistoriker sind sich heute weitestgehend einig in der Analyse der biblischen Erzählungen aus Könige und Richter. Wir haben es hier mit Erzählstoff zu tun, der definitiv aus dem Südreich entstammt, das verfeindet dem Nordreich gegenüber stand und nichts unversucht lässt, sich selbst als die wahren Israeliten hervor zu heben. Dieser Sachverhalt ist auch archäologisch greifbar. Denn es gibt ganz offensichtlich zwischen den Bevölkerungsgruppen im Süden und Norden nicht nur einen großen wirtschaftlichen Unterschied, sondern auch einen zunehmend kulturellen und religiösen, der spätestens in der Bildung zweier Königreiche offenbar wird, als das Nordreich sich einen eigenen und anderes gearteten Kultmittelpunkt schafft. Allein schon an der Vielzahl der sog. Höhenheiligtümer, die über den ganzen Norden verbreitet sind zeigt sich wie wenig der Süden mit seiner Tempelstiftung Zulauf fand. Jerusalem war damals weder Mittelpunkt Israels, was die Ärmlichkeit dieses Dorfes belegt, noch war es ein anerkannter Kultort und somit eben auch kein Pilgerort. Das dieser Zustand nachweislich bis weit in die Antike bestand haben sollte zeigt, dass das biblische Bild von einem Volk, einer Religion und einem Gotteskult keine Realität war, sondern nur frommes Wunschdenken des letzten Königreichs, des Südens, dass unter König Josia militärisch versuchte sein Herrschaftsgebiet – durch die in seiner Herrschaftszeit entstandenen „Bibel“-Schriften – auf den Norden auszuweiten und zu legitimieren. Wie die Geschichte zeigt, haben ihm auch hier die Nordstämme jegliche Hilfe verweigert und seinen Bestrebungen eine deutliche Abfuhr erteilt.
    Gab es zu Davids Zeiten wirklich ein großes geeintes Königreich, das nur einem Kult frönte? Eigentlich widerspricht die Bibel „zwischen den Zeilen“ selbst diesem Bild und es entspricht auch nicht den Forschungsergebnissen damaliger Zeit.
    Doch was waren die Hinderungsgründe für ein geeintes Israel, an dem letztlich alle Könige Israels scheiterten? Diese Frage, die schon seit Jahrzehnten die Bibelhistoriker und Religionswissenschaftler beschäftigt kann nur eine Antwort finden und diese liegt letztlich genau dort begründet, wo sich schon Kanaanäer voneinander trennten - nämlich in Kanaanäer und Proto-Israeliten und in dessen Verlauf dann Nordisraeliten von Südisraeliten. Es ist das Gottesbild und dessen Kult, welches sich in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelte und erst im 7. – 5. Jahrhundert durch die Entstehung der Bibelschriften und mehrfacher Reformationen miteinander redaktionell versöhnt und neu gestaltet wurde. Doch all dieser Bemühungen, scheiterte bis weit in die Antike hinein dieser Versöhnungsversuch, denn bis in die Zeit Jesu stehen sich genau diese Gottesbilder und Kultansichten unversöhnlich gegenüber und führen erneut zu Spaltungen und letztlich – wie schon so oft in der Geschichte Israels – zur nationalen Katastrophe (70.Chr., etc).

    Vieles von diesem Religionskonflikt lässt sich in den Prophetenschriften wieder finden, die oft schonungslos mal die eine Seite, mal die andere Seite angreifen. Deutlich lässt sich trotz aller Redaktionen noch heute allein schon an der Kultkritik herauslesen, welcher Prophet zu den Nordstämmen oder Südstamm gehört, ein beweisendes Indiz für die archäologischen Forschungsergebnisse und die folgenden Rückschlüsse von Bibelhistorikern und Religionswissenschaftlern.
    Geändert von absalom (15.02.2012 um 20:39 Uhr)


 

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