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  1. #1
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    Hallo Lehrling

    Zuerst etwas zur „fortschreitenden Offenbarung“ Gottes. Es ist sicher klar, dass Gott immer derselbe ist, zu allen Zeiten, das muss ich nicht speziell erwähnen. Nun ist es aber gefährlich, dieser fortschreitenden Offenbarung, wenn sie vom Vorherigen losgelöst wird, viel Gewicht zu geben, denn genau aus solchen vermeintlichen Offenbarungen, oder Interpretationen entstanden die grossen Irrungen der Menschheit und auch ebenso der Kirche.


    Nun, es steht nirgends in den Lehren Jesu, dass Gott Mensch wurde, und selbst Johannes sagte, dass das Wort Fleisch wurde. Also Gott sprach und es wurde, ja, es wurden Erde und Himmel, Land und Meer, Vieh und Mensch, und eben auch Jesu. Ist nun das Hervorgebrachte dem Hervorbringer, dem Schöpfer etwas gleichgestellt? Was Gott spricht, ist immer göttlich, aber es ist nicht selber Gott.

    Dass nun Gott selber Mensch geworden sein soll, ist eine kirchliche Lehre und Interpretation. Es ist in der ganzen Tenach, in den Propheten und auch der Lehre Jesu nirgends davon die Rede, dass Gott selber menschgewordener Messiach sein soll.

    Gott gab dem Volk Israel den Versöhnungstag, Jom Kippur, die Versöhnung des Menschen mit dem Ewigen. Gott hatte sich da schon gegeben und, wenn du so sagen willst, sich versöhnt. Versöhnung war schon immer bereit, die musste nicht zuerst geschaffen werden.

    Naja, und da kommt die grosse Frage dann, weshalb starb denn Jesu nicht vor diesem Festtag, dem Jom Kippur, welche dann eher das ausdrückt, was du aussagen willst? Denn Passah hat nichts mit Versöhnung, Sünde und Schuld zu tun.

    Ja, Jesus WURDE auferweckt. Du vergisst, Gott kann nicht sterben, Gott kann nicht durch den Tod profan, unrein werden, denn dann wäre er nicht mehr heilig und rein.


    1.Joh 1,2 - und das Leben ist geoffenbart (bekanntmachen, zeigen) worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das BEIM Vater war und uns geoffenbart worden ist –,


    Hier steht, dass sich das Leben, welches BEIM Vater war, durch Jesus offenbart worden ist, so wie sich Gott schon durch vieles offenbarte, ja, durch den ganzen Kosmos offenbart sich der Ewige ebenso wie durch jedes noch so kleine Blümchen oder Käferchen.
    Hier steht aber nirgends, dass Gott Mensch wurde, dass Gott eine Zustandsänderung angenommen hat. Jesus selber sagte ja, dass er schon zuvor mit Herrlichkeit ausgezeichnet war, als er noch beim Vater war.




    Lehit

    Alef

  2. #2
    Lehrling Gast

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    Zitat Zitat von Alef Beitrag anzeigen
    Nun, es steht nirgends in den Lehren Jesu, dass Gott Mensch wurde, und selbst Johannes sagte, dass das Wort Fleisch wurde. Also Gott sprach und es wurde, ja, es wurden Erde und Himmel, Land und Meer, Vieh und Mensch, und eben auch Jesu. Ist nun das Hervorgebrachte dem Hervorbringer, dem Schöpfer etwas gleichgestellt? Was Gott spricht, ist immer göttlich, aber es ist nicht selber Gott.
    Hallo Alef!

    Warum gibt es eigentlich die Schriften des Johannes? In die junge Gemeinde drang relativ früh griechische Philosophie als auch jüdische Satzungen und Interpretationen der Wahrheit ein, so daß Gott den Apostel Johannes nach seiner langjährigen Inhaftierung und wohl auch Läuterung benutze, die höchsten und tiefsten Wahrheiten über seinen Sohn klarzustellen. Das ganze Johannesevangelium zeigt den Sohn Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit. Der Sohn hat nicht nur Leben, er ist das Leben, der Sohn hat nicht nur die Worte Gottes, er ist die Worte Gottes, d.h. er ist das Wort und damit Gott, er ist der "Ich bin".

    Dieses Wort nun wurde Fleisch, d.h. ein Mensch "und wir", sagt der Apostel, "sahen seine Herrlichkeit". Johannes und seine Mitarbeiter haben wirklich etwas gesehen, sie sahen "seine Herrlichkeit". Aber was ist das für eine Herrlichkeit? Es ist dies "eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
    Wir sollten und müssen den eingeborenen Sohn vom Vater nicht mit den vielen Söhnen und Töchtern verwechseln, die Gott in der Auferstehung seines eingeborenen Sohnes in seiner Menschheit hervorgebracht hat.

    Die Schriften des Johannes offenbaren auch den Geist der Wahrheit. Der Geist ist letztendlich der dreieine Gott, der seine Wohnstätte in seinen Gläubigen aufrichtet, der also die neue Schöpfung in Christus mit sich selbst durchwohnt, durchsättigt und erfüllt. Dies ist dann der eigentliche Tempel Gottes im Geist, um den es ja in allen Schriften der Apostel geht.
    "Christus in uns", das ist das Geheimnis, das die heiligen Apostel und Propheten des Lammes schauten und auch erfahren haben. Und sind unsere Leiber wirklich Glieder Christi, gehören wir Christus als Glieder seines Leibes wirklich an, dann haben auch wir Anteil an Gott. Dies ist dann das Meisterwerk Gottes, wie es der Brief an die Epheser offenbart. Wir haben dann Anteil an Christus, dem Geheimnis Gottes.

    Shalom

  3. #3
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    Ja, Lehrling, es ist deine Interpretation, welche aber all das, was Jesus sagte, einfach beiseite schiebt. Die Johannesschreiber haben da viel Interpretiert, als sie über das Sein Jesu nachdachten. Oder wenn du aus einem persönlichen Brief zitierst, so ist das subjektive Darstellung des Schreibers, und du weißt nicht, was er wirklich damit meinte, und noch weniger, was die Empfänger der damaligen Zeit darunter verstanden, vielleicht hatte ja Johannes das später mal noch erklärt, damit nicht solche Missverständnis, wie sie in unserer Zeit auftreten, entstanden?

    Wie sagt doch auch der Johannesbriefschreiber? Dass jeder, der aus Gott geboren ist, NICHT SÜNDIGT, und der Böse (wobei es ja nicht DER Böse gibt, aber das wäre ein anderes Thema, denn aus dem Munde Gottes kommt das Gute und das Böse), oder dass der, wer sündigt, Jesus schon gar nicht erkannt hat? Man könnte nun dies so herausgelöst darlegen und eine total falsche Botschaft daraus machen, wie es ja auch in gewissen Gruppierungen gemacht wird, aber wer sündigt denn nie mehr, auch nachdem er sich „bekehrt“ hatte?


    So ist es sehr gefährlich, Texte losgelöst zu betrachten, oder sie zu dogmatisieren.


    Aber WO lehrte Jesus solches dass er Gott sei? Gott spricht und es wird, aber das gewordene ist nicht Gott.

    Nein, der Geist ist nicht der Dreieine Gott, da vermischt du wesentliche Dinge. Und so verstehe ich auch, weshalb dann auf einmal auch Jesus Gott sein soll. Welche der 7 Geister Gottes nach Offenbarung ist nun der heilige Geist? Nun, die Ruach Gottes ist keine Person, solches ist menschlich erdachtes. Das ist ja genau das gefährliche an deiner fortschreitenden Gottesoffenbarung.

    Hast du im Hiob nachgelesen? Das waren keine auferstandenen Menschen dort, welche da als Söhne Gottes bezeichnet werden. Und zudem, du darfst ja schon zu Lebzeiten Gotteskind, also Sohn oder Tochter sein.


    Es bleibt dabei, Trinität ist erdachtes der Kirche, und keinesfalls in der Schrift verankert. Im Gegenteil, man induziert dies gewaltsam in die Schrift hinein. Dass Jesus Gott sein soll, ist eine Behauptung, die alle andern Aussagen Jesu und ebenso die Tenach missachten. Wenn Jesus Gott wäre, so müsste ja Gott Jesu nicht die Macht übertragen usw ....

    Bis jetzt wurde hier keine Aussage des Tenachs oder der Lehre Jesu aufgezeigt, die dies klar ausdrücken oder auch nur am Rande bemerken. Denn wenn dies so wäre, müsste solches schon sehr deutlich stehen, da eine solche Lehre diametral zum jüdischen Verständnis ist, und dieses Verständnis hatte Jesus sozusagen unterschrieben. Eine solche Lehre dürfte nicht von einer späteren Kirche oder Nachfolger erst erdacht werden, da ja Jesu seine Apostel mit dem ganzen Evangelium vor seiner Heimholung in die Welt hinausschickte, und sagte, sie sollen lehren, was ER gelehrt hatte, und nicht von solchen, die später nach ihm kommen.


    Lehit

    Alef

  4. #4
    Psalm31,3 Gast

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    Zitat Zitat von Alef Beitrag anzeigen
    Dass Jesus Gott sein soll, ist eine Behauptung, die alle andern Aussagen Jesu und ebenso die Tenach missachten.

    Aber WO lehrte Jesus solches dass er Gott sei?

    Alef
    Lieber Alef.
    Sind solche Bibelstellen wie:
    Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben. Joh 16,23
    oder

    Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt, damit euch der Vater gibt, worum ihr ihn in meinem Namen bittet.
    joh 15,16
    Nicht solche Aussagen?

    Welcher Prophet (oder Mensch) hat je aufgefordert "betet in meinem Namen". Entweder das ist Gotteslästerung oder Identität mit Gott.
    Ebenso die zweite Bibelstelle:
    Welcher Prophet (oder) Mensch hat im Tenach von sich behauptet, das er Menschen nicht nur auswählt, damit sie ihm Folgen, sondern damit sie "Frucht bringen"? Und diese "Frucht" damit verbunden, dass Gott ihnen dann gibt um was sie bitten?

    Also ich verstehe diese Aussagen schon als eine Art "Bestätigung des eigenen Gottestatus durch Jesus selbst".
    Aber wahrscheinlich ist da eh Glaubenssache.
    Das mit der Trinität sehe ich aber ansonsten wie du. die Ruach ist keine Person.

    der Psalmist

  5. #5
    samu Gast

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    Warum gibt es eigentlich die Schriften des Johannes? In die junge Gemeinde drang relativ früh griechische Philosophie als auch jüdische Satzungen und Interpretationen der Wahrheit ein, so daß Gott den Apostel Johannes nach seiner langjährigen Inhaftierung und wohl auch Läuterung benutze, die höchsten und tiefsten Wahrheiten über seinen Sohn klarzustellen.
    Das ist eine gute Frage Lehrling, was dass jedoch mit Jochanan dem Jünger Jesu zutun haben soll, ist mir noch unklar. Allerdings lässt sich in der Tat aus dieser Schriftgattung eine Entwicklung erkennen, welche das Christentum grundlegend von seinen Wurzel entfernen sollte.



    Heerscharen von Theologen, Schriftforschern und Philosophen, haben sich schon diesem seltsamen Evangelium gestellt. Es wirft in sich so viele Fragen nach der geistigen Herkunft auf, es zitiert aus so vielen antiken philosophischen Schriften, es argumentiert gänzlich anders als alle anderen biblischen Schriften, es bezieht sein Wissen aus uns nicht bekannten Quellen, so dass man sich fragt, wer sind die Verfasser dieser Schrift, welche eigentlich aus mehren Teilen besteht (im griechischen ist es noch deutlich sichtbar) und für welche Gruppe von Menschen wurde diese Schrift verfasst, dessen Wortschatz und philosophische Begriffswelt weit über die Umgangssprache hinaus reicht.



    Es bedarf nicht viel um zu erkennen, dass das Johannesevangelium sich ganz wesentlich von den drei anderen Evangelien (trotz ihrer Unterschiedlichkeiten) unterscheidet. In Form und Inhalt haben wir es hier mit einer ganz anderen Literaturgattung innerhalb des Schrifttums der Apologetik zu tun. Nennt man Markus, Matthäus und Lukas die Synoptiker (Zusammengeschauten), da sie alle in ihrem Wesen und in ihrer Gestallt, doch auf einem Grundtext fußen, so begegnet uns im Johannesevangelium eine ganz neue und andere Sichtweise Jesu. Finden wir bei den Synoptikern Spruchreihen, die inhaltlich zur Toraauslegung Stellung beziehen, ethische Unterweisungen, politische Reden, Gleichnisse vom Himmelreich, bis hin zu den Leidensankündigungen, so werden wir vergeblich bei Johannes danach suchen. Gleiches trifft im Wesentlichen auch auf die Wunder Jesu zu. Redet in den Synoptikern Jesus hauptsächlich vom himmlischen Vater, so spricht er bei Johannes fast nur noch über sich selbst, im Stil einer Selbstoffenbarung (ich bin….) und in ganz sublim klingenden Monologen, die sich hauptsächlich um sein metaphysisches Dasein drehen. Die Selbstbescheidenheit Jesu bei den Synoptikern (z.B. Was nennst du mich gut…..), tritt bei Johannes gänzlich zurück. Noch deutlicher wird das gesagte, wenn man sich die Distanz zum Judentum anschaut, welche bei den Synoptikern so nicht zu Tage tritt. Der jüdische Kult erscheint als fremde Größe, der mit Skepsis betrachtet wird. Allein schon die Begrifflichkeit „die Juden“, welche Jesus selbst in den Mund gelegt wird, hebt literarisch die Entfremdung Jesu aus seinem Volk hervor. Der Jünger Jesu wird pauschal „dem Juden“ gegenüber gestellt ( 5.15, 7.11-13, etc.), was deutlich unjüdische Gesten zu Tage treten lassen. Dennoch sind das rabbinische Judentum und hier insbesondere die Lehrtradition bekannt. Ein ganz deutlicher Hinweis auf das Diasporajudentum, welches kritisch betrachtet wird, indem das Judentum pauschal dem Pharisäismus gleich gestellt wird (z.B. 7.1.13 mit 7.32, etc.).
    Mit dem Eingangsprolog wird zugleich die eschatologische Bedeutung Israels gänzlich aufgehoben. War es noch den Synoptikern wichtig, Jesus als Sohn Israels darzustellen, wird er gleich zu Beginn des Johannesev. zum Himmelssohn, der allem irdischen entledigt ist ausgewiesen. Doch finden sich auch Berührungspunkte, die ganz deutlich nach Qumran verweisen. Der ausgeprägte Dualismus Licht – Finsternis, ist auch bekannt aus den essenischen Schriften.
    Die inhaltlichen Verschiedenartigkeiten werden heute damit erklärt, dass dieses Evangelium aus verschieden Texten besteht, die zu einem Gesamtwerk zusammengefasst wurden. Hieraus erklären sich auch die verschiedenen Stilbrüche, die doch sehr gravierend hervortreten (verschiedene Arten philosophischer Begrifflichkeiten aus verschiedenen Regionen). Zitat Jerusalemer Bibel: „Das Evangelium ist das Ergebnis eines längeren Überlieferungsprozesses und enthält Elemente aus verschiedener Zeit, Bearbeitungen, Zusätze, verschiedene Redaktionen aus ein und derselben Überlieferung. Deutlich wird das am Endprolog 21/ 20 – 24.“ Diesen Sachverhalt erkannte schon Tatian (120 - 172 n. Chr.), der vergeblich versuchte die Schriftreihen zu Johannes neu zu ordnen jedoch an der unglaublichen Vielzahl verschiedenster in sich unterschiedlicher Abschriften resignierte.


    Über die Herkunft des Evangeliums streiten sich noch immer die Gelehrten. Ältester Beleg für die Existenz stammt aus einem Papyrusfund in Mittelägypten. Wohl haben die Kirchenväter die Niederschrift allein auf Grund eines Berichtes des Irenäus (um 180) nach Kleinasien verlegt und zugleich dem Apostel Johannes dieses Evangelium zugeschrieben, doch gibt es bereits aus gleicher Zeit berechtigte Zweifel daran (Euseb, h.e. V, 8,4). Schon im 2/3. Jahrhundert wird auf Art und Stil, Begrifflichkeiten und Fachwörter hingewiesen die typisch alexandrienisch, also ägyptischen Ursprungs waren. Zudem widersprach dieser Ansicht die Aussage anderer Kirchenväter (Papias, Origenes, Eusebius, etc.) über den gemeinsamen Tod der Zebedäussöhne. Schon früh stutzen Kirchenväter über den Sachverhalt dass z.B. die Zebedäussöhne überhaupt nicht in den Kapiteln 1-20 vorkommen und ihre Namen, Johannes und Jakobus nirgends genannt werden. Der Verfasser, der sich mehrmals als Augenzeuge darstellt, über Jesus wenig historisches weiß und auch ganz konträr zu den Synoptikern Begebenheiten darstellt. Er weiß z.B. nicht, dass Jesus in Bethlehem/ Nazareth geboren wurde, kennt den Namen seiner Mutter nicht und hält Maria für ihre Schwester, kennt nicht die Namen aller 12 Jünger und weiß auch nichts von dem Brüderpaar Jakobus und Johannes, etc.
    Zum anderen lassen sich aber ganz ohne Zweifel auch Einflüsse aus dem Diasporajudentum – hellenistischen Judentum erkennen, die nach Kleinasien verweisen. Einen noch deutlicheren Hinweis gibt uns Irenäus selbst, indem er dieses Evangelium als Kampfschrift gegen den Gnostiker und Philosophen Kerinthos (um 130) bezeichnet (was ein Alter des Apostel Johannes von weit über 110 Jahren voraussetzt!). Hier finden wir auch den Schlüssel zur Verlagerung des Evangeliums nach Kleinasien, denn Kerinthos wirke in Kleinasien. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Ursprung des Evangeliums in Alexandrien zu suchen ist und seine Vollendung in Kleinasien fand. Es mag nicht verwundern, dass die frühsten Textzeugen zu Johannes auch aus Ägypten stammen, ja selbst das älteste gefundene Fragment zu Johannes stammt aus Ägypten.

    Schon früh erkannte man gewisse Abhängigkeiten zu Philo von Alexandrien, einem jüdischen Philosophen, (aus Ägypten) der die mosaische Religion mit der griechischen Philosophie zu belegen und auch versöhnen suchte. Die Argumentationsformen sind sich erstaunlich ähnlich und auch die geistige Verwandtschaft lässt sich nicht leugnen, wenn man allein schon den Eingangsprolog betrachtet, dessen geistiger Vater Philo ist. Die hellenistischen Begrifflichkeiten weisen ebenso auf Philo hin, wie die Mirakelhaften Wunderdarstellungen. Hier kommen wir auch zu der eigentlichen Bedeutung dieses Evangeliums, welches nicht für den einfachen Feldarbeiter oder Arbeiter geschrieben war, sondern für die Kenner hellenistischer - jüdischer Philosophie, wie vom Schlage eines Kerinthos. Dafür spricht nicht nur die unglaubliche Vielzahl der griechischen Philosophenbegriffe, insbesondere hier in Anlehnung zu Platon, sondern eben auch die Kenntnisse der rabbinischen Lehrmethodik und Geistesströmungen im Judentum des 2. Jahrhunderts. In diesen beiden Richtungen finden sich alle Elemente des Johannesevangeliums wieder, was zu der heftigen Umstrittenheit des Evangeliums schon in frühester Zeit geführt hat. Die Frage Tertullians, was hat ein griechischer Philosoph mit Jesus zutun, spiegelt deutlich das Problem damaliger Zeit wieder, nämlich das Christentum auch den gelehrten Kreisen zugänglich zu machen, waren es doch hellenistische Philosophen die zu den größten Gegnern des Christentums geworden sind.

    Das Johannesevangelium wurde genau aus dieser Bedeutung heraus, als Kampfschrift und Überzeugungsschrift, trotz heftiger Widerstände, insbesondere der Vertreter des Volkschristentums und der Lateiner, in den Kanon der Bibel aufgenommen. Hier sind insbesondere die griechische und ägyptische Kirche zu nennen.
    Damit wurde zugleich der Weg für die christliche Philosophie, die bereits im 3 und besonders im 4 Jahrhundert seine erste Blütezeit erlebte, legitimiert.


    Samu
    Geändert von samu (04.02.2008 um 10:53 Uhr)

  6. #6
    geliebtes Korn Gast

    Standard

    "Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweiseung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit." (2. Tim 3,16)

    Nicht, dass ich weise sei, vielleicht sogar wenn ich euren Argumentationen lausche, eher naiv.
    Ich weiß nicht zu reden über Kirchenbeschlüsse oder Auslegungsfragen, aber ich glaube an einen Gott, der auf sein Wort acht gibt.
    Würde Gott Menschen die auf sein Wort trauen, durch menschliche "Fehlinterpretationen" in die Irre gehen lassen, wenn sie Frieden, Versöhnung mit ihrem Schöpfer und Vater von Herzen suchen?
    Gott ist LIebe- Liebe läßt nur Wahrheit zu.
    Ich gebe zu, immer wenn ich in solchen Themen lese, gibt es eine Menge Dinge, die ich nicht verstehe.
    Doch Gott weiß, dass ich nur die Bibel habe, die ich vor mir liegen habe; Gott weiß, dass ich ihn suche, sein Wesen, seine Gnade, seine Größe.
    Er verspricht: Wer mich sucht, wird mich finden.
    Es wird ein Leben lang dauern und bis in die Ewigkeit hinein, werde ich Gott nicht begreifen.
    Mein Glaube ist einfach: das, was ich vor mir habe, kann und wird Gott gebrauchen, um mich zu lehren, zu formen und zu stärken nach seinem Plan.
    Nicht Menschen haben es in der Hand, was Gott mir im Wort zeigt, an neuen Erkenntnissen auftut- wäre Gott nicht in der Lage, solch fatale "Fehler" wie viele hier schrieben, auszulöschen?
    Gott ist groß, darauf vertraue ich. Was Menschen niederschrieben, hat er doch durch seinen Geist gleitet.
    Wer bin ich, dass ich als Mensch sagen könnte, diese oder jene Aussage ist nicht "wahr" oder "übersetzt"?
    Wenn Jesus nicht der ist, den ich aus der Bibel sehe, dann bin ich der dümmste, naivste und verlorenste Mensch.
    Wenn es aber stimmt, dass Gott groß ist, groß genug, um mir winizgen Menschen einen Bund in Jesus zu geben, der ewig besteht, dann kann und will ich nicht auf Menschen hören; sondern vertrauen, dass Gott größer ist, um auf das, was er mir zeigt in der Schrift mehr zu hören als auf Menschen.

    Ich gehöre keiner Kirche an, weiß nicht wirklich viel über jüdische Dinge der Rabinerschriften... doch lege meine Hand in Gottes Hand und will bekennen:
    Allein Jesus wie in der Schrift (AT und NT) steht, ist meine Hoffnung mein Heil, meine Versöhnung mit Gott.
    Sollte ich auf Menschen mehr vertrauen als auf Gott und sein Wort?

    NIemanden will ich verletzen, nicht urteilen oder richtig stellen, sondern einfach mich zu dem stellen, der meine Hoffnung ist in all dem Durcheinander unterschiedlicher Meinungen und Lehren.

    ein kindliches Sandkorn wünscht allen einen gesegneten Tag

  7. #7
    Psalm31,3 Gast

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    Zitat Zitat von samu Beitrag anzeigen
    Über die Herkunft des Evangeliums streiten sich noch immer die Gelehrten
    Das mag schon sein - Lieber samu - aber für mich ist es, wie auch die anderen Schriftrollen, durch die Kraft und Wirkung des Geistes Gottes eingefügt worden in das, was wir Bibel nennen. Es mag alles seine Ursache und seine Herkunft und ebenso seine Aufgabe in der bestimmten Zeit und Kultur gehabt haben.
    Aber für mich ist es das Wort Gottes, in dem ich Gott in seinem Wirken kennenlernen kann und meinen Geist, durch das Lesen, ein wenig ordnen.

    Was bringt dieses viele Wissen, was du da hast? An welchen Gott glaubst du? Deine Beiträge, die ich gelesen habe, sind alle so voller Wissen und Belehrungen, aber irgendwie ohne Glauben - und tun irgendwie weh.

    Schalom - der Psalmist

  8. #8
    samu Gast

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    Geliebtes Korn, ich weiß, es ist eine schwierige Thematik, doch frage ich mich oft, aus was nährt sich ein Glaube, aus einer Schrift, welche Menschen zu Papier gebracht haben oder aus einer ganz persönlichen Beziehung zu Gott? Das ist der Punkt, folgt man einem papierenen Gott oder einem lebendigen Gott. Was haben nur die Menschen in früheren Zeiten getan, welche weder lesen noch schreiben konnten, oder die, welche noch nicht einmal Papier kannten? Waren sie der erbarmungslosen Sorglosigkeit Gottes ausgeliefert? Ich glaube das nicht!
    Ich glaube jedoch, dass Gott töricht wäre, wenn er sich auf Menschenworte verlassen müsste. Und du sagst es selbst, Gott ist unfassbar, und dann ist es legitim Gott in fassbare Worte zu kleiden und das sogar mit Worten hellenistischer Philosophen?


    Samu



    Hallo Psalmist, zum Wissen ruft uns Gott auf und ebenso zum Suchen und Finden, zum Forschen und Prüfen.

    An welchen Gott ich glaube fragst du mich. Wie viele Götter gibt es denn an die man glauben sollte oder könnte?

    Zum Thema Wort Gottes sagte ich einmal anderen Ortes schon: … hat Jesus in Griechisch gesprochen oder Moses in Latein, oder Jesaja in Deutsch, Elija in Englisch, etc? Es ist doch eine alte Binsenweisheit, dass jede Übersetzung immer auch eine Fälschung ist, denn sie kann nie die Zwischentöne einer Sprache vermitteln. Und was „Gottes Wort“ in Menschenhand schon alles angerichtet hat, dass hat nur wenig mit Gott zutun.

    Eventuell ist meine „Glaublosigkeit“ nicht an Gott gerichtet, sondern darin begründet, dass Menschen Gottes Worte schon immer für ihre Interessen missbraucht haben. Wer nur ein wenig die Kirchengeschichte und die darin beinhalteten Textredaktionen zum N.T. kennt, der weiß, wie viel Unheiliges sich damit verbindet. Das kann ich ignorieren, oder aber ich kann Menschen darauf hinweisen. Was ist ehrlicher von beiden? Zumal die Kirche es nie geleugnet hat, solche Dinge getan zu haben (natürlich immer unter Verweis auf die Autorität, welche sie von Gott bekam)!

    Und das man Gott Mittels „heiliger Schriften“ unterstellen würde, er würde sich ständig widersprechen, dass halte ich dann sogar für eine Glaublosigkeit gegenüber Gott. Doch wer damit leben kann, warum nicht.

    Man sollte sich schon fragen dürfen, warum es ständig Bibelrevidierungen gibt, wenn Gottes Wort so unfehlbar ist. Warum benutzt man nicht die gleichen Texte wie z.B. vor 1600 Jahren? Doch dann käme sicherlich die Frage schon auf, welche von den vielen Versionen? Aber das ist dann auch schon wieder ein anderes Thema.

    Sollten wir nicht nach 1800 Jahren ununterbrochener Schriftredaktion zur Bibel uns ehrlich fragen, was die Ursache dafür ist? Ich glaube es wäre längst an der Zeit und „Gott sei Dank“ die Mehrheit der Exegeten und Theologen haben das längst erkannt und arbeiten diese Geschichte endlich sehr sachlich und kritisch auf. Denn eine Ursache für die Glaublosigkeit des Christentums unter den Menschen, ist ihr Umgang mit der dem eigenen Schriftgut, ja mit ihrer eigenen Geschichte.
    Eventuell ist mein Ansatz dann doch nicht so Glaublos, sondern gut begründet.

    Samu

  9. #9
    Registriert seit
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    Hallo Psalm31,3

    Sagen deine erwähnten Bibelstellen wirklich aus, dass Jesus Gott sein so?

    Nein, sicher nicht.
    Das eine geht ums Beten, und wohl gemerkt, im Namen dessen beten! Das ist keine Gotteslästerung. Jesus hatte sehr wohl seine Jünger und Apostel erwählt. Ich weiss, dass dies einfach pauschalisiert wird, aber im Kontext galt dieses Auswählen seinen Jüngern.

    Im Namen Jesu beten, bedeutet, dass du zum himmlischen Vater betest, in der Autorität Jesu, im gleichen Sinne wie Jesu. So lehrte Jesu nirgends, den Geist anzubeten, und auch nicht ihn.

    Wenn Jesus solches sagt empfinden die Jünger und die Apostel dies nach jüdischer Art, welche ja Jesus auch bejahte, dass es nur einen Gott im Himmel gibt, und er selber schloss sich davon aus.


    Lehit

    Alef

  10. #10
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    Schriftgut als Orientierungshilfe ?

    Ja soweit die der Orientierung und somit auch des Überdenkens, auch des kritischen, zugelassen ist, ist das ja durchaus im Rahmen.

    Weiter sollte man das Wort des Menschen nicht in den Mund Gottes legen! Wenn man einfach sagt, dass alles in der Bibel Gottes Wort sein soll, also von ihm gesprochen, so ist das irrig. Aber dass diese Menschen inspiriert sind vom Ewigen, oder von Jesu, und das sind wir hier ja auch alle, bedeutet nicht, dass das, was dann herauskommt, dem Worte Gottes gleichgesetzt werden kann.

    Nun machte man aus diesen überlieferten Schriften eine neue, zusätzliche „Orientierungshilfe“, die trinitarische Gottheit, welche aber nirgends als solches in der Schrift, und noch weniger in der Lehre des Tenachs und der Lehre Jesu vorhanden ist.


    Wenn nun wirklich die Schrift Orientierung sein soll, so soll man Dogmen und Lehren der Kirche doch lassen, ansonsten sind ja die Dogmen der Kirche die Orientierungshilfe, und weniger die Tenach oder das Zeugnis Jesu.



    Lehit

    Alef


 

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