Glavica ist tot. Lusci Palanka soll weiterleben

Die Träume, daß irgendwann auf Glavica wieder Leben sein wird, haben wir weit zurückgestellt. Vorrangig muß Lusci Palanka aufgebaut werden.

Seit Jahren wurde immer wieder versucht, diesem malerischen kleinen Ort wieder Leben einzuflößen. Die ursprünglichen Bewohner sind in den Raum Banja- Luka, Laktasi / Trn geflohen und die rüstigen und jüngeren umter ihnen haben sich in den Jahren, wo sie nicht zurück konnten, dort eine neue wenn auch noch so bescheidene Existenz aufgebaut. Und das größte Hindernis für die, die Kinder haben, war die Schließung der Schule in Lusci Palanka. Die Schulen im muslimischen Umland Richtung Sanski Most sind jeweile einer Moschee angegliedert. Der Unterricht dort ist somit stark vom Islam geformt und beeinflußt. Alleine das ist für christliche Eltern ein Grund, liebe in Trn in Armut zu leben, als zu versuchen, in der Heimat etwas wieder neu aufzubauen. Man bekennt sich zur Heimat, macht bei den Älteren, die zurückgekommen sind, gerne Wochenendbesuche, aber die eigenen Kinder in die Koranschule schicken? Unmöglich!

Außerdem war im Anfang eine Rückkehr garnicht möglich, wegen der muslimischen Flüchtlinge, die in ihren Häusern wohnten. Inzwischen hat man ja auch in der "neuen" Heimat soziale Kontakte aufgebaut.

Man muß sich das Ausmass der Vertreibungen im bosnischen Krieg einmal vor Augen führen. Man spricht von offizieller Seite von über 2 Millionen Menschen, die am Ende des Krieges nicht mehr dort gewohnt haben, wo sie vor dem Krieg wohnten. Bei 4 Millionen Einwohnern ist das jeder zweite Bosnier!!

Aber trotz aller dieser Unbillen werden wir mit anderen Aufrechten zusammen nicht aufhören, um Lusci Palanka zu kämpfen!

Und einiges ist bereits erreicht!

--Der Wiederaufbau der Kirche hat begonnen. Das Dach ist bereits wieder drauf!
-- DIE SCHULE IN LUSCI PALANKA IST SEIT 2005 WIEDER GEÖFFNET!
Normalerweise ist hierfür eine Mindestschülerzahl von 30 Kindern erforderlich, wir erhielten für 15 Kinder eine Sondergenehmigung!

-- In dem ehemaligen Minikrankenhaus ist eine Notfallstelle eingerichtet worden, die ständig mit einer Krankenschwester besetzt ist

-- zwei mal in der Woche kommt ein Arzt nach Lusci Palanka, und hält Sprechstunden ab

-- Es bilden sich soziale Strukturen, die den Bedürftigsten helfen. (Die Mindestrente in Bosnien liegt bei 50 KM monatlich, ungefähr 25,6 €, die Durchschnittsrente bei ca 150 KM d.h. ca 77 € monatlich)

Unser Hauptanliegen ist zur Zeit, Arbeitsplätze zu schaffen. Vor dem Krieg war in Lusci Palanka ein Sägewerk, eine kleine Textilfabrik und eine kleine Nagelfabrik.

Das Sägewerk wurde von Muslimen wieder eröffnet, in den Räumlichkeiten der Kleineisenfabrik. Arbeitsplätze nur für Muslime, die aus umliegenden Orten anreisen. Das alte Sägewerk ist abgerissen. Die Textilfabrik wurde durch ein Join Venture zwischen Muslimen und einem deutsch- österreichischen Konzern aufs feinste wieder aufgebaut. Auch hier bekam nicht eine einzige frühere Näherin einen Arbeitsplatz. Eigene Busse wurden angeschafft, um muslimische Frauen aus weit entfernten Ortschaften jeden morgen und Abend von der Wohnung zur Arbeit zu transportieren.

Alles ging bisher an der christlichen Bevölkerung vorbei. Ich kann verstehen, daß die Bewohner von Lusci Palanka heute vollkommen unchristlich mit hämischen Grinsen an dieser Textilfabrik vorbeilaufen. Denn sie hat Konkurs gemacht und steht zum Verkauf.

Und viele, viele kleine Probleme gibt es zu lösen. Angefangen bei der Wasserversorgung, die regelmäßig jeden morgen zusammenbricht. Wegen "Überbelastung".

Neue und stärkere Pumpen, gestiftet von Brüssel, verschwanden nach kurzer Zeit spurlos. Einfach weg, und die alte hängt wieder dran.

Bis hin zur wenigstens notdürftigen Ausbesserung der Zufahrtsstrassen - Strassen? besser Schotterpisten oder Schlaglochansammlungen genannt.

Ich könnte noch viel erzählen.

Aber als kleiner Einblick soll das reichen.

Rudi