Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten! Die Evangelien entstanden wenige Jahrzehnte nach den beschriebenen Ereignissen, als noch Augenzeugen lebten. Außerdem gehen zumindest die drei synoptischen Evangelien wahrscheinlich auf eine gemeinsame Quelle zurück, die somit zeitlich noch näher am Geschehen war. Das ist eine ganz andere Situation als wenn über ein Ereignis erst Jahrhunderte später berichtet wird. Natürlich kann sich trotzdem der eine oder andere Irrtum eingeschlichen haben (vor allem, was die Chronologie betrifft, da kann man sich leicht vertun), da ist es dann gut, dass es vier Evangelien, von denen das Johannesevangelium unabhängig von den anderen entstanden ist, gibt, sodass man vergleichen kann. Weitestgehend stimmen sie aber überein.
Geändert von Blood_Raven (04.11.2010 um 18:54 Uhr)
Die frühesten Evangelien entstanden frühestens 60 n. Chr., ob es da noch verläßliche Augenzeugenberichte gegeben hat, ist mehr als zweifelhaft. Aus der Vernehmungspsychologie weis man heute, daß Augenzeugenberichte alles andere als verläßlich sind. Und mindestens 30 Jahre sind eine seeehr lange Zeit.
Die drei Synoptiker berichten bei der Kreuzigung von einer Finsternis zwischen der sechsten und neunten Stunde. Also zwischen 12:00 und 15:00 Uhr. Lukas erwähnt sogar explizit eine Sonnenfinsternis. Jedoch kommt lediglich eine partielle Mondfinsternis nach 18:00 Uhr in Frage. Soll es wirklich eine Sonnenfinsternis zwischen der sechsten und neunten Stunde gewesen sein, wäre Jesus am 24. November im Jahr 29 gekreuzigt. Also definitiv nicht im Zusammenhang mit einem Passahfest wie die Synoptiker behaupten (vgl. Zehren. Der gehenkte Gott.).
Sind die Evangelien somit dann doch eher Erzählungen als Tatsachenberichte?
Gruß
LD
Auch der Tanach enthält nicht alle in der Antike entstandenen religiösen Schriften der Juden, da wurde auch kräftig selektiert...
Grundsätzlich war man bestrebt, alle Schriften ins Neue Testament aufzunehmen, von denen man damals annahm, sie seien von den Aposteln, Paulus oder sonstigen frühen Christen, die Jesus oder zumindest die Aposteln noch persönlich kannten, verfasst worden. Alle anderen Schriften sowie solcher zweifelhafter Herkunft mussten draußenbleiben.
Trotzdem stimmen die vier Evangelien in den wesentlichen Punkten überein.
Und auch heute gibt es noch brauchbare Augenzeugenberichte z. B. über den 2. WK.
Es steht nur, dass sich die Sonne verdunkelte, nicht dass es eine Sonnenfinsternis im astronomischen Sinne war.
Ich formuliere die Frage einmal andersherum: Wieso sollte Jesus ausgerechnet dann gekreuzigt werden, wenn sich gerade eine astronomische Sonnenfinsternis ereignet?
Außerdem konnten Sonnenfinsternisse schon in der Antike vorherberechnet werden, wenn es also eine natürliche gewesen wäre, dann wäre sie keine Überraschung gewesen. Außerdem: Wieso sollten die Römer eine Kreuzigung ausgerechnet bei einer Sonnenfinsternis veranstalten?
Geändert von Blood_Raven (04.11.2010 um 21:10 Uhr)
BR
Meinst du eigentlich, mit all deinen Äusserungen über die Tenach werde das NT besser? Kaum....
Alef
Ja, es gab Priester/Gelehrte, die den Lauf der Gestirne schon sehr gut berechnen konnten. Aber das war erstens kein Allgemeinwissen, und zweitens stellten die Vorgänge am Himmel kein bloßes Naturereignis dar. Es war etwas mit der Götterwelt assoziiertes.
Daß die Römer die Sterne berechnen ließen, damit ja nicht bei einer Finsternis gekreuzigt würde, ist kaum anzunehmen.
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