Ich möchte mit David Flusser antworten: Die Urabsichten Gottes für eine verirrte Menschheit. Mit meinen Worten: In das Dasein Gottes eindringen. Das möchte ich und das suche ich zu tun und ich suche dabei mich selbst, als Geschöpf dieses Gottes, um den Anliegen Gottes anteilhaftig zu werden.
Ich weiß nicht, ob jemand dabei helfen kann, denn die Antworten und das FINDEN liegt letztlich in einem selbst. Danke aber für dein Angebot. ;-)
Absalom
Zitat: Gott teilt mit uns Menschen sein Dasein! Der Mensch jedoch bemächtigt sich dieses Daseins und verteilt oder entzieht anderen Menschen dieses Dasein, je nach Machtgegebenheiten und Interessenslagen. Der Mensch selbst macht sich zu Gott und dazu bedarf es keines himmlischen Bösewichtes, sondern nur der menschlichen Anmaßung selbst Gott spielen zu wollen.
Nun, dieser letzte Teil fasst doch sehr viel zusammen, dass der Mensch für alles einen Sündenbock braucht, um sich rausreden zu können. Und dies findet sich doch in so manchen Religionen. Und sie suchen wiederum eine Lösung daraus.
Dies muss ich aber doch dem jüdischem Glauben zusprechen, dass darin viel mehr von Eigenverantwortung ist, und auch einfach ein Hinnehmen von Gottes „Schicksal“. Da wird weniger, ja kaum von einem Antigott gesprochen, von Satan als dem Gegner Gottes, und wenn dann, untere Einfluss des Christentums, wo dann solche Gedanken wurzeln konnten.
Auch dass alles aus dem Ewigen entspringt, Gutes und „Böses“ wird als von IHM gegeben akzeptiert.
Alef
Lieber Alef, sicher, ich weiß darum, dass gerade das Judentum hier oft andere Wege ging. Ich zeigte mit der Ausarbeitung jedoch auch auf, dass es im Judentum ähnliche Ansichten gab und sie gibt es noch immer. Auch der Satansglaube war eine gewisse Zeit im rabbinischen Judentum salonfähig. "Gott sei Dank", hatten solche Einflüsse immer nur wenig Substanz für ein Lehrüberleben.
Es ist letztlich immer die Frage, bedarf man einer Religion und deren Glaubensgrundsätze, um Gott nachfolgen zu können? Gerade im Fall des Judentums und seiner Wirkungsrolle als Mutterreligion (Glaubensvorlage) zweier großer Weltreligionen bestreite ich das ganz entschieden. Ich halte das Wesen einer Kultreligion mit den eigentlichen Anliegen Gottes nur schwerlich vereinbar. Aber ich weiß auch, wir Menschen neigen zum Kultgott, es macht die "Sachlage Gott" doch wesentlich einfacher für uns.
Absalom
Lieber Absalom
Da gebe ich dir recht, es bedarf keiner „Religion und deren Glaubensgrundsätze“ (was man dann auch immer wieder darunter verstehen mag), um den Ewigen nachfolgen zu können. „Glauben“ ist durchaus etwas individuelles, so wie wir Menschen eben verschieden sind, und Gott und auch verschieden gemacht hat. So wenig wie man „Gefühle“ über eine Sache von anderen kopieren kann, denn jeder Mensch empfindet anders, Gefühle, Schmerz, Liebe oder Wut haben nun keinen „Gradmesser“. So auch „Glauben“. Sicher aber kann man sich in etwas hineinsteigern.
Schlussendlich nehmen wir alte Überlieferungen zu Hilfe, bewerten sie, klassifizieren und messen andere Schriften aufgrund dessen. Leider, oder vielleicht auch besser, denn der Mensch lernt ja kaum etwas selbst aus der kurzen Vergangenheit, ist so die Beurteilung immer etwas subjektiv.
Kultur ist auf der einen Seite etwas Gutes, aber genau so etwas Zwanghaftes. Wehe, wenn man anders ist. So dann auch ein Gott, der in der Kultur fixiert und verankert wurde, wobei meistens ja Tradition und Legenden einen grossen Einfluss auf diese Kultur haben.
Ich denke, das Judentum hätte ohne „Religion“ nicht überlebt, so ist es doch etwas Substantielles. Ich weiss nicht, ob das Judentum eine Wirkungsrolle als Mutterreligion gehabt haben sollte, denn das Judentum selber veranlasste solches nicht, sondern immer einzelne, die Fremdes mit Eigenem zusammenmischten und zu einer neuen Ideologie entwickelten, waren schlussendlich Gründer einer neuen Religion.
Wenn man aber so in evangelikalen Kreisen sein Leben verbringt, ist man natürlich einseitig geprägt gemäss der Lehre. So hat mir das jüdische Verständnis, diese „Rosinen“ schon den Horizont erweitert.
Alef
Lieber Absalom,
die Beziehung zu mir selbst und das eigene ich zu finden und zu leben, sprich ich selber zu sein wird wohl die größte Herausforderung und auch gleichzeitig das größte Angebot dieses Gottes sein. So einfach und doch so schwierig ist es doch diese Mitte zu finden und aus ihr zu Leben.
Mein persönlicher Wunsch ist es im Alltag eine Betrachtung in meinem Leben zu bekommen welche ein wenig diesem Angebot gerecht wird. Zum Beispiel: Ein Urteil bilden aber nicht verurteilen...
LG Martin
Lieber Martin,
diesen Worten kann ich beipflichten.
Vor vielen Jahren sagte "eine innere Stimme" überaus deutlich zu mir: Alle Meere dieser Erde könnten nicht die Tränen fassen, welche ich über dich und deine Taten vergossen habe. Das geschah zu einem Zeitpunkt, als ich glaubte meine religiöse Heimat gefunden zu haben, wo ich meinte Gott ganz nahe zu sein, wo ich dachte, ich bin eigentlich ganz gut.
Die größte Aufgabe ist es wohl, seine gefühlsmäßige Glaubenszufriedenheit, welche sich aus selbst zugesprochenen Glaubensbekenntnissen speist, dem Focus Gottes gegenüber zu stellen und Konsequenzen aus diesem Erkennen zu ziehen. Seinen inneren Schweinehund zu bekämpfen und für sich selbst festzustellen, dass all das nur Stückwerk ist und eben nichts vor Gott bestand haben kann und wird, ist ein bitterer Gang der Selbstüberwindung. Doch diese ist nötig und wichtig, denn nur wer sich selbst annehmen kann, in all seinen Irrungen und Wirrungen, sich selbst als Bestandteil dieser Welt und ihrer Probleme versteht, wird zu dem Bekenntnis kommen, wie es Jesus schon erkannte und tat: Was nennst du mich gut, niemand ist gut außer Gott dem Einen“. Wenn wir das verstanden haben dann werden wir liebesfähig mit unserem Nächsten, denn in all dessen Schwachheit und Irrungen sind auch immer wir auffindbar und somit wird das Gute über das Böse erhoben, indem wir aufhören aufzurechnen und anzurechnen und nicht mehr wetteifern im Unrecht tun, sondern wetteifern im Tun von Rechtschaffenheit. Rabbi Nathan sagte einmal sehr treffend: „Gott spricht: Wenn du deinen Nächsten hasst, weil er so böse ist wie du, werde ich es dir vergelten. Liebst du ihn aber, weil er so gut ist wie du, so werde ich mich deiner erbarmen.“ (Abot de Rabbi Nathan II, 26)
Absalom
Hallo absalom, Alef und andere :-),
dieser Thread ist schon eine Weile alt, aber zumindest für mich deshalb noch lange nicht veraltet ;-). Ich las hier mit Neugier und Interesse. Und nun krieg ich an dieser Stelle obiges und nachfolgendes nicht zusammen. Einerseits Selbstüberwindung... und...
... und dann Selbstannahme...
Ist es nicht wichtig sich selbst mit den Stärken und Schwächen anzunehmen, um mit beidem sinnvoll und angemessen umzugehen? Die Stärken können uns helfen mit den Schwächen umzugehen. Also, ist es nicht bedeutsam, dass wir beides in uns akzeptieren, um dann sinnvoll und angemessen damit umzugehen.
Mir ist Bescheidenheit sehr sympathisch, unbedingt. Dennoch sollte gutes Verhalten als gut bewertet werden dürfen. Ist es tatsächlich so, dass wir vor Gott die Haltung haben sollten, dass nur er gut ist und dass nichts vor ihm Bestand hat? Wir bestehen doch vor ihm und irgendwie habe ich die Vorstellung, dass es ihm gefallen könnte, wenn wir uns gut verhalten und dass dies dann auch so bezeichnet werden darf, ohne dabei sich zu überhöhen oder gottgleich zu empfinden.
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