Lieber Martin,
diesen Worten kann ich beipflichten.
Vor vielen Jahren sagte "eine innere Stimme" überaus deutlich zu mir: Alle Meere dieser Erde könnten nicht die Tränen fassen, welche ich über dich und deine Taten vergossen habe. Das geschah zu einem Zeitpunkt, als ich glaubte meine religiöse Heimat gefunden zu haben, wo ich meinte Gott ganz nahe zu sein, wo ich dachte, ich bin eigentlich ganz gut.
Die größte Aufgabe ist es wohl, seine gefühlsmäßige Glaubenszufriedenheit, welche sich aus selbst zugesprochenen Glaubensbekenntnissen speist, dem Focus Gottes gegenüber zu stellen und Konsequenzen aus diesem Erkennen zu ziehen. Seinen inneren Schweinehund zu bekämpfen und für sich selbst festzustellen, dass all das nur Stückwerk ist und eben nichts vor Gott bestand haben kann und wird, ist ein bitterer Gang der Selbstüberwindung. Doch diese ist nötig und wichtig, denn nur wer sich selbst annehmen kann, in all seinen Irrungen und Wirrungen, sich selbst als Bestandteil dieser Welt und ihrer Probleme versteht, wird zu dem Bekenntnis kommen, wie es Jesus schon erkannte und tat: Was nennst du mich gut, niemand ist gut außer Gott dem Einen“. Wenn wir das verstanden haben dann werden wir liebesfähig mit unserem Nächsten, denn in all dessen Schwachheit und Irrungen sind auch immer wir auffindbar und somit wird das Gute über das Böse erhoben, indem wir aufhören aufzurechnen und anzurechnen und nicht mehr wetteifern im Unrecht tun, sondern wetteifern im Tun von Rechtschaffenheit. Rabbi Nathan sagte einmal sehr treffend: „Gott spricht: Wenn du deinen Nächsten hasst, weil er so böse ist wie du, werde ich es dir vergelten. Liebst du ihn aber, weil er so gut ist wie du, so werde ich mich deiner erbarmen.“ (Abot de Rabbi Nathan II, 26)
Absalom




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